lyrikline blog

LIVE STREAM of the final anniversary event!!!

Follow the closing ceremony on Oct 31 at 8pm CET via live video stream on lyrikline.org or on this static page live.lyrikline.org

With the poets: Nicole Brossard (Québec), Babangoni wawa Chisale (Malawi), Bei Ling (China), Elke Erb (Germany), Nikola Madzirov (Macedonia), Thomas Möhlmann (Netherlands), Remi Raji (Nigeria), Daniel Samoilovich (Argentina), Lutz Seiler (Germany)

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Nicole Brossard on lyrikline.org
Elke Erb on lyrikline.org
Thomas Möhlmann on lyrikline.org
Lutz Seiler on lyrikline.org

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Speech of Lebogang Mashile at the Opening of 10 years of lyrikline.org festivities

Posted in about us, Autoren / poets, Lebogang Mashile by Heiko Strunk on 29. October 2009

Eröffnung der Festwoche zu 10 Jahre lyrikline.org

gezett.de

26.10.2009  Palais (Kulturbrauerei), Berlin

Mr President, Ms Köhler, Ladies and Gentelmen,
Africa is home to a vibrant and dynamic oral tradition. Before the word was written on paper, it was written on the minds, hearts and memories of human beings. Oral tradition, or living language, has been used to record genealogy, movement patterns, wars, significant events, and scientific information for millennia.  Texts travel from person to person through time and space. Memory serves as both the page and the archive. Each human being who is in possession of stories, poems, and songs about their people is a living library. Therefore human life is valuable not just in and of itself, but also as a storehouse for knowledge that has been passed down for generations.

In South Africa, where I come from, every African family has what is referred to as an isithakazelo in isiZulu. This family poem is a source of immense pride and is perceived as an invaluable cultural heirloom. Children are taught how to say their family praise poem from an early age. This poem is (more…)

Die Wahrheit über Dichtung – Rede von Monika Rinck zur Eröffnung der Festwoche 10 Jahre lyrikline.org

Posted in about us, Autoren / poets, Monika Rinck by Heiko Strunk on 29. October 2009

Eröffnung der Festwoche zu 10 Jahre lyrikline.org

gezett.de

26.10.2009, Palais (Kulturbrauerei), Berlin

Die Wahrheit über Dichtung

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des guten Worts,

Das Gedicht ist da. Das ist wahr. Das Gedicht: Man beklagt oft seine Schwierigkeit. Das mag sein. Aber es ist nicht schwieriger als der Rest unserer Gegenwart, und dass man, um überhaupt etwas über die Welt auszusagen, nicht hinter ihre Komplexität zurückfallen darf, erscheint logisch. Es sei undurchsichtig, sperrig, es gebe sich nicht ohne weiteres preis. Aber woher wüsste ich, ohne das Gedicht, dass es dort, wo es mir die Sicht verstellt, überhaupt etwas zu sehen gibt? Dass es dort, wo es im Weg steht, einen Weg geben könnte? Und es gibt sich ja doch preis – es tut dies im Tausch gegen die ihm anvertraute Aufmerksamkeit. Das bedeutet nicht, dass es mir Zeit nimmt. Im Gegenteil: es gibt mir Zeit. Das Gedicht stellt sich gegen ein auftrumpfendes Aufmerksamkeitsregime, das mich mit spektakulären Trailern an die Stelle seines größtmöglichen Gewinns zu lotsen versucht. Mir wird Zeit geschenkt. Mir wird Zeit geschenkt, die ich als ein Prozess des Verstehens zu sehen befähigt werde. Das Gedicht ermöglicht mir, einem Gedanken Zeit zu geben. Es zeigt mir, wie schön es ist, immer wieder aufs Neue damit zu beginnen zu denken. (more…)

Speech of Monika Rinck: The truth about poetry

Posted in Autoren / poets, Monika Rinck by Heiko Strunk on 29. October 2009

Speech of Monika Rinck, Festivities for 10 years of lyrikline.org
26.10.2009, Palais (Kulturbrauerei) Berlin


THE TRUTH ABOUT POETRY

Federal President, Mrs Köhler, Ambassadors, Ladies and Gentlemen, Friends,

Poems exist. This is true. People often complain about the difficulty of poetry. Difficult it may be. But it’s no more difficult than the rest of our present, and it seems logical that in order to say anything at all about the world, one should not fall short of its complexity. People say poetry is inscrutable, awkward, that is doesn’t surrender itself readily. But without poetry, how would I know that there’s anything to be seen where the poem blocks my view? That there might be a path where the poem gets in my way? And it does surrender itself – doing so in exchange for the attention entrusted to it. This doesn’t mean that it takes time away from me. On the contrary: it gives me time. Poetry goes against (more…)

Video greetings from Arjen Duinker

Posted in Arjen Duinker, Autoren / poets by Heiko Strunk on 28. October 2009

Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich der Festveranstaltung „10 Jahre Internetplattform ‚lyrikline.org’“ am 26. Oktober 2009 in Berlin

Posted in about us by Heiko Strunk on 26. October 2009

Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnung der Festwoche zu 10 Jahre lyrikline.org

Foto: gezett.de

„Gedankenausflüge zu Wahrheit und Selbsterkenntnis“

Ich freue mich, dass ich heute Abend bei einer kleinen „radikalen“ Minderheit zu Gast sein darf. Ihre Einladung, dabei zu sein, wenn lyrikline.org zehn Jahre alt wird, habe ich sehr gern und sehr bewusst angenommen.

Wenn manchmal gefragt wird, wofür der Bundespräsident zuständig ist, dann sagt man gerne: Für’s Große und Ganze. Das ist auch richtig – im Großen und Ganzen. Wenn man aber genauer hinschaut, woraus das Große und Ganze denn besteht, dann wird mir immer klarer, dass es aus sehr vielen kleinen Teilen besteht.

Das gilt für die Gesellschaft, die zusammengehalten wird durch unzählig viele verschiedene Initiativen und Gruppen, aus engagierten Menschen, die eine Lücke gesehen und daraus eine Aufgabe für sich gemacht haben. Unsere Gesellschaft lebt von denen, die etwas gestalten, etwas anpacken, etwas zu ihrer Sache machen.

Auch das kulturelle Leben ist angewiesen auf die kreativen Ideen der einzelnen, auf die schöpferischen Initiativen von Minderheiten. Das Neue und Überraschende, das Unerhörte und Weiterführende – das entsteht meistens in einzelnen Köpfen, in kleinen Bewegungen und Projekten.

So ist es, wenn ich es richtig sehe, auch bei lyrikline gewesen. Auf diese Idee, die im Nachhinein wie das Selbstverständlichste der Welt klingt, auf diese Idee muss man aber erst einmal kommen, und man muss die Fähigkeit – und auch die Zähigkeit – haben, um sie in die Tat umzusetzen – und dann auch lebendig zu halten und wachsen zu lassen.

Diese Idee, die heute so selbstverständlich ist, heißt: Wir bringen die älteste Kunst, die Poesie, und das neuste Medium, das Internet, zusammen, um etwas gleichzeitig sehr Altes und aktuell wieder sehr Gefragtes jedem, der es möchte, zu ermöglichen: sich ein Gedicht vorlesen zu lassen; und zwar vom Dichter – oder von der Dichterin – selber.

Das hat funktioniert – und es funktioniert jetzt zehn Jahre lang – und es hat weltweite Wirkung. Dazu sage ich denen, die die Idee hatten, besonders der Literaturwerkstatt Berlin, allen, die zu lyrikline gehören, allen, die Sie unterstützen, und den Partnern in der ganzen Welt meinen herzlichen Glückwunsch!

Dass Lyrik und Poesie trotz des Internets keine Massenbewegung auslösen, ist Ihnen allen klar. Es geht aber in diesem Fall auch gar nicht um die Masse und die ganz große Zahl. Es geht darum, dass interessierte Einzelne in aller Welt einen Zugang zu dem bekommen, was für sie von großer Bedeutung ist, was sie für ihr geistiges Leben brauchen.

Warum sind für viele Menschen Gedichte so wichtig – und vorgelesene Gedichte erst recht? Weil Gedichte die dichteste, anspruchsvollste und subjektivste Art sind, Sprache zu gestalten, die Welt ins Wort zu fassen, die Existenz zum Ausdruck zu bringen. Gedichte sind kleine Widerstandsnester gegen die riesige Flut an Sprachmüll, der uns täglich aus allen Medien entgegenkommt. Wir reden vom Kommunikations- und Informationszeitalter, in dem wir leben – aber oft kommt es uns so vor, als sei die Kommunikation noch nie so belanglos und als sei die Information noch nie so leer gewesen. Die Sender müssen ja rund um die Uhr senden und die Online-Dienste ihre Schlagzeilen möglichst stündlich ändern – so kommt es, dass die Sprache in eine Art Überproduktionskrise geraten ist.

In dieser Situation stellt das Gedicht eine Unterbrechung dar.

Das Gedicht unterbricht für einen Augenblick das ewige Weiterreden. Es ermöglicht ein Atemholen – vielleicht sogar einen Moment der Wahrheit und der Selbsterkenntnis.

Insofern ist es eine wunderbare List, dass durch lyrikline ausgerechnet im vielleicht geschwätzigsten Medium das gelesene Gedicht diese Unterbrechung, dieses Atemholen ermöglichen kann. Man hat mir gesagt, dass die meisten Aufrufe wohl während der Mittagspause stattfinden – also dann, wenn die Menschen eine Unterbrechung brauchen – und sich dabei buchstäblich auf einen Gedankenausflug bringen lassen möchten.

Gedichte gehören laut gelesen – denn sie sind die Sprachform, die am meisten dem Lied verwandt ist, also Melodie und Rhythmus der Sprache in sich bergen und zeigen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viel sich allein durch den Vortrag von Poesie mitteilt, selbst wenn man die Sprache nicht versteht. Im vorigen Jahr war Lebogang Mashile in Schloss Bellevue zu Gast – zusammen mit anderen afrikanischen Schriftstellern – und sie hat uns alle mit ihrer Performance fasziniert. Ich freue mich, dass ich Sie, Frau Mashile, heute Abend hier wiedersehen – und wiederhören kann!

Dass Sie heute hier sind, macht noch auf einen ganz wichtigen Aspekt von lyrikline aufmerksam: Die internationale Gemeinschaft der Poeten und der Poesieliebhaber wird durch diese Plattform wunderbar verstärkt und gefestigt. Das ist ein schöner Beitrag, den diese Initiative aus Deutschland für den weltweiten Austausch im kulturellen und geistigen Leben leistet.

Denn gerade Einzelgänger brauchen Zusammenhalt. Und die Poeten sind Einzelgänger. Und gerade die Schriftsteller aus den armen Gegenden der Welt, die von gedruckter und in Verlagen edierter Lyrik nur träumen können, haben durch lyrikline ein einzigartiges Mittel der Kommunikation bekommen. Auch dafür zolle ich gerne Lob und Anerkennung.

Die Globalisierung der Poesie hebt die Einzigartigkeit einer jeden Kultur nicht auf. Dass die ausländischen Autoren, die aufgenommen werden, nicht von Deutschland, sondern von den jeweiligen Partnerorganisationen ausgesucht werden, könnte fast ein Beleg dafür sein, die Poesie als Avantgarde einer partnerschaftlichen Globalisierung zu sehen. Aber ich will hier nichts instrumentalisieren.

Lyrik und Poesie haben ihr eigenes Recht, ihren eigenen Sinn. Dafür und deswegen brauchen und lieben wir sie. Sie, die Freunde und Mitarbeiter von lyrikline haben sich um die Poesie verdient gemacht. Und damit um’s Große und Ganze!

Dafür noch einmal vielen Dank!

Opening Address by Federal President Horst Köhler at an event to celebrate 10 years of the ‘lyrikline.org’ Internet platform on 26 October 2009 in the KulturBrauerei Berlin

Posted in about us by Heiko Strunk on 26. October 2009

Ladies and gentlemen,

I’m pleased to be the guest this evening of a small, “radical” minority. I very gladly, and very consciously, accepted your invitation to help celebrate ten years of lyrikline.org.

When asked, from time to time, what I’m responsible for as President, I often say, “for the overall picture”. This is correct, overall, but when one looks more closely at that overall picture one sees that it consists of myriad small pieces.

This is true of society, which is held together by countless different initiatives and groups and by committed people who have noticed that something is missing and have devoted themselves to filling that gap. Our society depends on those who get involved, who get down to work, who make an issue their own.
(more…)

Festrede von Heiko Strunk zur Eröffnung der Festwoche ’10 Jahre lyrikline.org’

Posted in about us by Heiko Strunk on 26. October 2009
Eröffnung der Festwoche zu 10 Jahre lyrikline.org

gezett.de

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,
Sehr geehrte Frau Köhler,
Exzellenzen,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Freunde und Kollegen,

Lyrikline.org feiert 10. Geburtstag, und ich freue mich, dass mir dies die Gelegenheit gibt, zu Ihnen zu sprechen.

Die große Dichterin Inger Christensen hat gesagt, Sprache sei die natürliche Verlängerung der Welt. Jeder Mensch muss, ob er will oder nicht, sein Verhältnis finden zur äußeren Lebenswelt und dabei zugleich seinen inneren Haushalt in Ordnung bringen, ein Gleichgewicht schaffen, zwischen den emotionalen wie den geistigen, den rationalen wie den spirituellen Impulsen und Bedürfnissen.
Sprache ist dabei das entscheidende Mittel. Denn das Verhältnis des Menschen zur Welt realisiert sich über Sprache, und ohne Sprache ist auch die innere Strukturierung des Individuums kaum vorstellbar.

Poesie nun ist sowohl Gedächtnis der Sprache als auch ihr Struktur gebendes Element. Meine Tochter ist gerade zwei Jahre alt geworden, und ich höre täglich, wie mit dem Spracherwerb das Sprachspiel einhergeht. Worauf ich hinaus will ist, dass jeder Mensch mit Poesie aufwächst, in Form von Lautmalereien, Reimen, Wortspielen und Liedern.

Dass Poesie ein strukturierendes Mittel ist, das den Blick nach innen lenkt, darauf hat bereits die UNESCO bei der Einführung des Welttages der Poesie im Jahre 2000 nachdrücklich hingewiesen. Poesie, so heißt es, sei ein soziales Bedürfnis und ein gesellschaftliches Instrument, das im Besondern junge Menschen dazu anrege, sich den eigenen Wurzeln zuzuwenden. Poesie ist, wenn man so will, als Träger und Vermittler der oralen Tradition, Medium und Botschaft zugleich. Aus diesem Aspekt heraus sollte Poesie gesprochen und zu Gehör gebracht werden.
Es gibt noch einen weiteren:
Für Büchnerpreisträger Oskar Pastior war die Stimme der eigentliche Sinngenerator des Gedichts, mittels der Stimme wird deutlich, was das Gedicht zum Gedicht macht: Die lautlichen Strukturen treten hervor und kommen zum Tragen, Klang und Rhythmus. Auch für die französische Dichterin Michèle Métail ist der Vortrag die eigentliche Existenzform des Gedichtes; erst im Moment des Sprechens realisiert sich für sie das Gedicht.
Das ist der Grund, weshalb das Buch nicht das einzige Medium für Poesie sein kann, und weshalb Lyrik den medialen Doppelauftritt und einen eigenen Resonanzraum braucht. Genau das leistet lyrikline.org. Ich werde darauf zurückkommen.

Die UNESCO hat bei der Proklamation des Welttages der Poesie zugleich darauf aufmerksam gemacht, dass es in der heutigen Welt unerfüllte ästhetische Bedürfnisse gibt, die von der Poesie erfüllt werden könnten, wenn ihre gesellschaftliche Funktion für eine zwischenmenschlichen Kommunikation anerkannt würde.

Ist das in unseren Breiten der Fall? Wird den zeitgenössischen Dichtern vom Publikum oder in den Medien bereits die Aufmerksamkeit entgegengebracht, die ihnen gebührt?
Der Satz: „Deutschland ist das Land der Dichter und Denker“ stimmt sicherlich für die Produktion. Sinnvoll wird er aber erst, wenn die Dichter auch gelesen und gehört werden.
(more…)

Speech delivered by Heiko Strunk to commemorate the 10th anniversary of lyrikline.org

Posted in about us by Heiko Strunk on 26. October 2009

Dear Mr. President,
Dear Ms. Köhler,
Excellencies,
Ladies and Gentlemen,
Friends and Colleagues,

lyrikline.org is celebrating its 10th birthday, and it gives me great pleasure to address you on this occasion.

Inger Christensen, a great poetess, said that language is a natural extension of the world. Whether we want to or not, each of us must determine our relationship to the outer world, at the same time ordering our internal existence and creating an equilibrium between the emotional and the intellectual, between rational and spiritual impulses and needs.
In this quest, language is the decisive resource. The relationship between individual and world is realized via language, and without it, the inner structuring of the individual is virtually inconceivable as well.

But poetry is not just the element which endows language with structure – it is the memory of language as well. (more…)

Visual Birthday wishes from Michèle Métail

Posted in Autoren / poets, Michèle Métail by Heiko Strunk on 25. October 2009