lyrikline blog

Listen to the Opening Ceremony of 10th Anniversary of lyrikline.org / Zum Nachhören: Die Eröffnung der 10 Jahre lyrikline.org Festwoche

Posted in about us, Lebogang Mashile, Monika Rinck by Heiko Strunk on 26. January 2010

From October 26 to 31, 2009 lyrikline.org has celebrated its 10th anniversary together with friends and partners in a series of events in Berlin. The week of events was opened by German Federal President Horst Köhler, project manager Heiko Strunk and the poets Monika Rinck and Lebogang Mashile, who each gave insightful and eloquent speeches about poetry.
The whole event can be listened to here

You will find on the website also many other rare and interesting poetry talks! Recommended!

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Mit einer Festwoche hat lyrikline.org vom 26.-31. Oktober 2009 zusammen mit vielen Freunden und internationalen Partnern sein 10-jähriges Bestehen in Berlin gefeiert.
Bundespräsidenten Horst Köhler hat die Festwoche mit einer Rede zur Poesie während der Auftaktveranstaltung am 26.10. eröffnet. Köhlers Rede sowie weitere Reden von Projektleiter Heiko Strunk und den Dichterinnen Monika Rinck oder Lebogang Mashile können nun hier auf der website der Literaturwerkstatt Berlin gehört werden.

Auf der website der Literaturwerkstatt Berlin kann man viele weitere spannende und interessante Poesiegespräch entdecken und nachhören!

lyrikline.org celebrates international poetry – world-wide!

Posted in about us, Autoren / poets, Bei Ling by Heiko Strunk on 9. November 2009

-Deutsche Version im Anschluss-

The week of events marking the tenth anniversary of lyrikline.org, the website for poetry, came to a close last Saturday, with one big final party. More than 400 internet users all over the world followed the event via live stream, and chatted with the poets present at the event, including Bei Ling from China and Nicole Brossard from Québec.
And of course, as at every birthday party, there was an enormous, delicious, birthday cake and afterwards, a DJ-Set by our Slovenian partner, alias ‘teoP’, whose tunes got all the partners and poets on to the dance floor.

All in all it was a fantastic week, full of readings and with both big, and smaller, highlights. Our heartfelt thanks goes out to all the participating poets as well as to the sixteen embassies and cultural institutes that made this literary movement possible. 63 poets from 22 countries read at 12 events to sold-out audiences, totalling over 2000 people. The week of events was opened by German Federal President Horst Köhler, and the poets Monika Rinck and Lebogang Mashile, who each gave insightful and eloquent speeches about poetry.

The week of events marking 10 years of lyrikline.org was carried out under the patronage of the EU Commissioner for Multilingualism, Leonard Orban.

lyrikline.org is an initiative of the Literaturwerkstatt Berlin. The week of events took place in cooperation with: the Embassy of the Republic of Argentina; the Embassy of the Republic of Estonia; the Embassy of the Republic of Finland; the Embassy of the Republic of Iceland; the Embassy of the Republic of Croatia; the Embassy of the Republic of Macedonia; the Embassy of the Republic of Slovenia; the Embassy of the Kingdom of the Netherlands; the Flemish Representative Office; the Greek Culture Foundation; Zweigstelle Berlin; the Ramon Llull Institute, Berlin; the Italian Cultural Institute, Berlin; The Royal Norwegian Embassy; the Titu Maiorescu Romanian Cultural Institute, Berlin; the Slovakian Institute, Berlin; Union des écrivaines et des écrivains québécois; and the Québec Government Office in Berlin.

With kind support from:
The Working Committee of Literary Societies, the German Foreign Office, The Federal Government Commissioner for Culture and Media, The German Technical Corporation (GTZ) GmbH, The Senate Chancellery for Cultural Affairs, Prussian Maritime Foundation, the Representation of the European Commission in the Federal Republic of Germany and The Mandala Hotel

web event realised by YouIn3D.com

lyrikline.org feierte die internationale Poesie weltweit

Mit einer großen Abschlussfeier ging am vorletzten Samstag die Festwoche zum10jährigen Jubiläum von lyrikline.org zu Ende. Über 400 User verfolgten die Veranstaltung per Live-Stream weltweit und chatteten mit den Dichtern, u.a. mit Bei Ling (China) und Nicole Brossard (Québec).
Und da es sich ja um eine Geburtstagsfeier handelte, gab es natürlich auch eine große, leckere Geburtstagstorte und im Anschluss ein hervorragendes DJ-Set von unserem slowenischen Partner alias „teoP“, das viele der anwesenden Partner, Dichter und Gäste dann nicht mehr von der Tanzfläche ließ.
Insgesamt war es eine ganz phantastische Woche voller interessanter Lesungen und mit vielen kleinen und großen Highlights. Unser Dank gilt neben den Autoren vor allem auch den 16 Botschaften und Kulturinstitutionen Berlins, ohne deren Beteiligung diese „Literaturbewegung“, wie es der Übersetzer Timo Berger genannt hat,  nicht möglich gewesen wäre. 63 Dichter aus 22 Ländern lasen bei12 Veranstaltungen vor ausverkauften Sälen mit insgesamt 2000 Besuchern. Begonnen hatte die Festwoche mit klugen und eingängigen Reden von Bundespräsident Horst Köhler, Monika Rinck und Lebogang Mashile.
Die Festwoche 10 Jahre lyrikline.org stand unter der Schirmherrschaft des EU Kommissars für Mehrsprachigkeit Leonard Orban.

lyrikline.org ist eine Initiative der Literaturwerkstatt Berlin. Die Festwoche fand statt in Kooperation mit: Botschaft der Republik Argentinien, Botschaft der Republik Estland, Botschaft der Republik Finnland, Botschaft der Republik Island, Botschaft der Republik Kroatien, Botschaft der Republik Makedonien, Botschaft der Republik Slowenien, Botschaft des Königreichs der Niederlande, Flämische Repräsentanz, Griechische Kulturstiftung, Zweigstelle Berlin, Institut Ramon Llull – Berlin, Italienisches Kulturinstitut Berlin, Königlich Norwegische Botschaft, Rumänisches Kulturinstitut “Titu Maiorescu” Berlin, Slowakisches Institut Berlin, Union des écrivaines et des écrivains québécois, Vertretung der Regierung von Québec – Büro Berlin

Mit freundlicher Unterstützung durch: Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften, Auswärtiges Amt, Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, Stiftung Preußische Seehandlung, Europäische Kommission – Vertretung in der BRD, The Mandala Hotel

web event realised by YouIn3D.com

Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich der Festveranstaltung „10 Jahre Internetplattform ‚lyrikline.org’“ am 26. Oktober 2009 in Berlin

Posted in about us by Heiko Strunk on 26. October 2009

Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnung der Festwoche zu 10 Jahre lyrikline.org

Foto: gezett.de

„Gedankenausflüge zu Wahrheit und Selbsterkenntnis“

Ich freue mich, dass ich heute Abend bei einer kleinen „radikalen“ Minderheit zu Gast sein darf. Ihre Einladung, dabei zu sein, wenn lyrikline.org zehn Jahre alt wird, habe ich sehr gern und sehr bewusst angenommen.

Wenn manchmal gefragt wird, wofür der Bundespräsident zuständig ist, dann sagt man gerne: Für’s Große und Ganze. Das ist auch richtig – im Großen und Ganzen. Wenn man aber genauer hinschaut, woraus das Große und Ganze denn besteht, dann wird mir immer klarer, dass es aus sehr vielen kleinen Teilen besteht.

Das gilt für die Gesellschaft, die zusammengehalten wird durch unzählig viele verschiedene Initiativen und Gruppen, aus engagierten Menschen, die eine Lücke gesehen und daraus eine Aufgabe für sich gemacht haben. Unsere Gesellschaft lebt von denen, die etwas gestalten, etwas anpacken, etwas zu ihrer Sache machen.

Auch das kulturelle Leben ist angewiesen auf die kreativen Ideen der einzelnen, auf die schöpferischen Initiativen von Minderheiten. Das Neue und Überraschende, das Unerhörte und Weiterführende – das entsteht meistens in einzelnen Köpfen, in kleinen Bewegungen und Projekten.

So ist es, wenn ich es richtig sehe, auch bei lyrikline gewesen. Auf diese Idee, die im Nachhinein wie das Selbstverständlichste der Welt klingt, auf diese Idee muss man aber erst einmal kommen, und man muss die Fähigkeit – und auch die Zähigkeit – haben, um sie in die Tat umzusetzen – und dann auch lebendig zu halten und wachsen zu lassen.

Diese Idee, die heute so selbstverständlich ist, heißt: Wir bringen die älteste Kunst, die Poesie, und das neuste Medium, das Internet, zusammen, um etwas gleichzeitig sehr Altes und aktuell wieder sehr Gefragtes jedem, der es möchte, zu ermöglichen: sich ein Gedicht vorlesen zu lassen; und zwar vom Dichter – oder von der Dichterin – selber.

Das hat funktioniert – und es funktioniert jetzt zehn Jahre lang – und es hat weltweite Wirkung. Dazu sage ich denen, die die Idee hatten, besonders der Literaturwerkstatt Berlin, allen, die zu lyrikline gehören, allen, die Sie unterstützen, und den Partnern in der ganzen Welt meinen herzlichen Glückwunsch!

Dass Lyrik und Poesie trotz des Internets keine Massenbewegung auslösen, ist Ihnen allen klar. Es geht aber in diesem Fall auch gar nicht um die Masse und die ganz große Zahl. Es geht darum, dass interessierte Einzelne in aller Welt einen Zugang zu dem bekommen, was für sie von großer Bedeutung ist, was sie für ihr geistiges Leben brauchen.

Warum sind für viele Menschen Gedichte so wichtig – und vorgelesene Gedichte erst recht? Weil Gedichte die dichteste, anspruchsvollste und subjektivste Art sind, Sprache zu gestalten, die Welt ins Wort zu fassen, die Existenz zum Ausdruck zu bringen. Gedichte sind kleine Widerstandsnester gegen die riesige Flut an Sprachmüll, der uns täglich aus allen Medien entgegenkommt. Wir reden vom Kommunikations- und Informationszeitalter, in dem wir leben – aber oft kommt es uns so vor, als sei die Kommunikation noch nie so belanglos und als sei die Information noch nie so leer gewesen. Die Sender müssen ja rund um die Uhr senden und die Online-Dienste ihre Schlagzeilen möglichst stündlich ändern – so kommt es, dass die Sprache in eine Art Überproduktionskrise geraten ist.

In dieser Situation stellt das Gedicht eine Unterbrechung dar.

Das Gedicht unterbricht für einen Augenblick das ewige Weiterreden. Es ermöglicht ein Atemholen – vielleicht sogar einen Moment der Wahrheit und der Selbsterkenntnis.

Insofern ist es eine wunderbare List, dass durch lyrikline ausgerechnet im vielleicht geschwätzigsten Medium das gelesene Gedicht diese Unterbrechung, dieses Atemholen ermöglichen kann. Man hat mir gesagt, dass die meisten Aufrufe wohl während der Mittagspause stattfinden – also dann, wenn die Menschen eine Unterbrechung brauchen – und sich dabei buchstäblich auf einen Gedankenausflug bringen lassen möchten.

Gedichte gehören laut gelesen – denn sie sind die Sprachform, die am meisten dem Lied verwandt ist, also Melodie und Rhythmus der Sprache in sich bergen und zeigen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viel sich allein durch den Vortrag von Poesie mitteilt, selbst wenn man die Sprache nicht versteht. Im vorigen Jahr war Lebogang Mashile in Schloss Bellevue zu Gast – zusammen mit anderen afrikanischen Schriftstellern – und sie hat uns alle mit ihrer Performance fasziniert. Ich freue mich, dass ich Sie, Frau Mashile, heute Abend hier wiedersehen – und wiederhören kann!

Dass Sie heute hier sind, macht noch auf einen ganz wichtigen Aspekt von lyrikline aufmerksam: Die internationale Gemeinschaft der Poeten und der Poesieliebhaber wird durch diese Plattform wunderbar verstärkt und gefestigt. Das ist ein schöner Beitrag, den diese Initiative aus Deutschland für den weltweiten Austausch im kulturellen und geistigen Leben leistet.

Denn gerade Einzelgänger brauchen Zusammenhalt. Und die Poeten sind Einzelgänger. Und gerade die Schriftsteller aus den armen Gegenden der Welt, die von gedruckter und in Verlagen edierter Lyrik nur träumen können, haben durch lyrikline ein einzigartiges Mittel der Kommunikation bekommen. Auch dafür zolle ich gerne Lob und Anerkennung.

Die Globalisierung der Poesie hebt die Einzigartigkeit einer jeden Kultur nicht auf. Dass die ausländischen Autoren, die aufgenommen werden, nicht von Deutschland, sondern von den jeweiligen Partnerorganisationen ausgesucht werden, könnte fast ein Beleg dafür sein, die Poesie als Avantgarde einer partnerschaftlichen Globalisierung zu sehen. Aber ich will hier nichts instrumentalisieren.

Lyrik und Poesie haben ihr eigenes Recht, ihren eigenen Sinn. Dafür und deswegen brauchen und lieben wir sie. Sie, die Freunde und Mitarbeiter von lyrikline haben sich um die Poesie verdient gemacht. Und damit um’s Große und Ganze!

Dafür noch einmal vielen Dank!

Opening Address by Federal President Horst Köhler at an event to celebrate 10 years of the ‘lyrikline.org’ Internet platform on 26 October 2009 in the KulturBrauerei Berlin

Posted in about us by Heiko Strunk on 26. October 2009

Ladies and gentlemen,

I’m pleased to be the guest this evening of a small, “radical” minority. I very gladly, and very consciously, accepted your invitation to help celebrate ten years of lyrikline.org.

When asked, from time to time, what I’m responsible for as President, I often say, “for the overall picture”. This is correct, overall, but when one looks more closely at that overall picture one sees that it consists of myriad small pieces.

This is true of society, which is held together by countless different initiatives and groups and by committed people who have noticed that something is missing and have devoted themselves to filling that gap. Our society depends on those who get involved, who get down to work, who make an issue their own.
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