lyrikline blog

Laudatio zum Peter-Huchel-Preis 2013 an Monika Rinck

Posted in Autoren / poets, Insa Wilke, Monika Rinck by Heiko Strunk on 12. April 2013
Monika Rinck, Foto: privat

Monika Rinck, Foto: privat

Am 3. April 2013 hat die Berliner Lyrikerin Monika Rinck den diesjährigen Peter-Huchel-Preis erhalten.  Ausgezeichnet wurde ihr Band “Honigprotokolle”, erschienen bei Kookbooks, als herausragende Neuerscheinung des Jahres 2012.
Verliehen wird der mit 10.000 Euro dotierte Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk.

Wir haben aus diesem Anlass einige Gedichte von Monika Rinck neu auf lyrikline eingestellt, u.a. Gedichte aus dem Band “Honigprotokolle”, und präsentieren hier nun die sehr schöne Laudatio, die Insa Wilke auf die Autorin gehalten hat.

More than honey, honey!

Laudatio auf Monika Rinck und ihren Gedichtband „Honigprotokolle”

Von Insa Wilke

Erdnussbutter. Marshmallow-Fluff. Norderney-Schinken. Karamell-Käse. Vegane Mandel-Creme und Cashewkern-Mus. All diese verspielten Dekadenz-Delikatessen, meine verehrten Damen und Herren, stelle ich mir deutlich auf Ihrem Frühstückstisch vor, den Sie vor wenigen Stunden verlassen haben. Honig, diese uralte Speise der Götter und Dichter, von Insekten hergestellt, die als einzige unverwandelt aus dem Paradies in unsere Welt übergesiedelt sein sollen, Honig ist ja völlig aus der Mode gekommen.

Ich habe also nur geringe Hoffnung, dass Sie sich am Gründonnerstag Honig zwischen die Finger gerieben haben. Das hätte Sie in diesem Jahr vor Krätze bewahrt und vor Eselsohren, die Ihnen nun unweigerlich wachsen werden. So steht es im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens, dem man allerdings erstens nicht glauben muss und dessen Ratschläge mir zweitens – es sei Ihr Trost – auch nichts genützt haben.

Mir waren die Eselsohren nämlich schon lange vor Ostern und trotz Honig gewachsen. Genauer gesagt: während der Lektüre von Monika Rincks „Honigprotokollen”, die mich dazu brachte, ebenjenes Handwörterbuch zu konsultieren. Nicht unbedingt, um Rätsel zu lösen, sondern eher, weil ich infiziert war von den Echo- und Bildräumen, die Rincks Protokolle ganz gegen den Gattungstrieb nicht festschreiben, sondern in Bewegung bringen. Monika Rinck gehört ja zu jenen raren Dichterinnen, die unermüdlich zum Spiel einladen.

Erdnussbutter also beiseite, Honig her: Was will man mehr von der Literatur als dass sie einem Eselsohren aufsetzt, noch dazu mit Honig bestrichene? Dass sie einen herausfordert, zum Spiel einlädt, dumm da stehen lässt, unauflösbar irritiert, im Innersten berührt und in die Ratlosigkeit treibt, also mit den Worten Ann Cottens das mühsame Unterfangen auf sich nimmt, die eingerasteten Rezeptionsvorgänge unkooperativer Rezipienten zu manipulieren, auf dass man die vergrößerten Ohren aufsperre und lausche: einem Gedicht aus den „Honigprotokollen”.

Himmelshärte

Hört ihr das, so höhnen Honigprotokolle. Eine Halbwelt aus Blaulicht.
Ist das Luft oder Wand? Stumme Vögel, Amselattrappen, ja Spatzen,
in Kunstharz und Härter gebannt, in durchsichtige Würfel gegossen.
Fast wollte man heulen. Oder an Vogel statt zwitschern und hüpfen.
Doch noch liegt auf dir ein schwerer Schlaf und nur dein Traum weiß
von den ändern. Er denkt es dir, zum Beispiel: Was ist ein Regal?
Etwas gezielt hineinzutun, mit einer Hand, die sicher ist und flink.
Weil es dorthingehört, ein Übergriff, so passgenau, dir schaudert.
Jetzt liegst du wach in deinem Zelt aus Geld und willst für alles zahlen.
Bleib hier, erwarte das Ende der Wand. Ziere die Kanten des Tages
mit Schlummer, nein schlimmer noch, flechte dir den Kitsch ins Haar.
Aber schau, das verletzliche Leben am Morgen ist doch nicht nichts!
Kein falsches Wort, aufstehn, aus dem Fenster sehn, wie eine Halbwelt
aus Blaulicht sich aufhellt, da! Ein Aurorafalter landet, zittert, explodiert.

Buchcover "Honigprotokolle", Gestaltung: Andreas Töpfer, Berlin

Buchcover “Honigprotokolle”, Gestaltung: Andreas Töpfer, Berlin

„Für Liebhaber einfacher Lösungen” ist ein solcher Text nichts. Glücklicherweise scheint er es nicht aufs Verstandenwerden anzulegen. Merkwürdigerweise versetzt er gerade, weil man gezwungen wird, das Kausalitätsprinzip zu verlassen und die Sprünge von den stummen Vögeln zum Regal zum Kitsch hinzunehmen und sich zwischen Ernst und Ironie zu verlaufen, gerade deswegen also versetzt dieser Text, nennen wir ihn Gedicht, plötzlich eine Saite unbestimmten Verstehens in Schwingung. Die „Honigprotokolle” gleichen dadurch einer Partitur ohne Noten. Wir Lesenden sind die Instrumente. Nach uns die Deutung. Willkommen also in Rincks Oktaeder! Der Eintritt ist frei, der Austritt hat seinen Preis, denn für eine Weile wird man danach auf dem Kopf gehen müssen und mit den nackten Füßen im Himmel zappeln. Andererseits muss zugegeben werden, dass Monika Rinck uns keineswegs „eisige Abstraktionsschauder” über den Rücken schickt. Sie dichtet konkret und nah an Situationen und Reflexionen, die jeder kennen kann. Oder ist es nicht eine „Himmelshärte”, eine Strafe der Götter, dass man sich jeden Morgen aufs Neue dem Schlaf aus den Armen winden muss? Selbstironie hin oder her bleibt es doch eine der schönsten Metaphern für den Schlaf am Morgen, wenn eine fremde Instanz wie bei Rinck fordert: (more…)

Aufruf: Berliner, dichtet Berlin!

Posted in about us by Heiko Strunk on 3. May 2011

Das „vielstädtige“ Berlin schenkt sich selbst ein Gedicht. Geschrieben von den Bürgern für die
Bürger, ein poetisches Flanieren durch die Bezirke, von den Rändern bis hinein ins Zentrum.
Die Literaturwerkstatt Berlin ruft interessierte Bürger/innen jedes Alters und jeder Herkunft
auf, sich in ihrem Bezirk an diesem Projekt zu beteiligen. Die Mitwirkenden bekommen die
Gelegenheit, das Gedicht gemeinsam mit je einem erfahrenen Lyriker in einer Schreib-
werkstatt zu erarbeiten. Im Zentrum soll der jeweilige Bezirk selbst stehen, seine Geschichte
und seine Eigenarten.
Die fertigen Texte werden Ende Juni zu einem großen Poem verbunden,100 Zeilen pro Bezirk,
zwölf gleichberechtigte Teile, die ein vielstimmiges Ganzes ergeben sollen.
Am 17.09.2011, anlässlich der 20-Jahr-Feier der Literaturwerkstatt Berlin, auf dem Gelände
der Kulturbrauerei, wird das Gedicht im Rahmen eines „Bürgerfestes der Poesie“ vorgetragen.
Alle, die daran mitgedichtet haben, werden bei dieser Gelegenheit entsprechend gewürdigt
und sind zur aktiven Teilnahme eingeladen.

Dichter und Bezirke:
Charlottenburg-Wilmersdorf, Adresse wird nach der Anmeldung mitgeteilt, jeden Dienstag von
18:00 – 20:00 Uhr Leitung: Kerstin Hensel
Friedrichshain-Kreuzberg, „Galerie im Turm“, Frankfurter Tor 1, jeden Dienstag von 18:00 –
20:00 Uhr Leitung: Björn Kuhligk
Lichtenberg, studio im hochhaus – kunst- und literaturwerkstatt, Zingster Str. 25, jeden
Dienstag und/oder Donnerstag von 18:30 – 20:30 Uhr Leitung: Andreas Altmann
Marzahn-Hellersdorf, Adresse und Termin werden nach der Anmeldung mitgeteilt Leitung:
Valeri Scherstjanoi
Mitte, Atelier Soldina, Soldiner Str. 92, voraussichtlich jeden Donnerstag von 19:30 – 21:30
Uhr Leitung: Orsolya Kalász
Neukölln, Kreativraum an der Galerie im Körnerpark, Schierker Str. 8, jeden Dienstag von
18:00 – 20:00 Uhr Leitung: Tom Schulz
Pankow, Kulturamt, Danziger Str. 101, Raum 218, jeden Donnerstag von 18:00 – 20:00 Uhr
Leitung: Norbert Hummelt
Reinickendorf, Schreibwerkstatt in der Jugendkunstschule Atrium, Senftenberger Ring 97,
jeden Mittwoch von 18:00 – 20:00 Uhr Leitung: Ron Winkler
Spandau, Zitadelle-Spandau, Am Juliusturm 64, jeden Dienstag von 18:00 – 20:00 Uhr
Leitung: Michael Speier
Steglitz-Zehlendorf, Kaminzimmer in der Schwartzschen Villa, Grunewaldstr. 55, jeden
Montag von 18:00 – 20:00 Uhr Leitung: Michael Lentz
Tempelhof-Schöneberg, Spukvilla, Albrechtstr. 110, jeden Montag von 18:30 – 20:30 Uhr
Leitung: Ulf Stolterfoht
Treptow-Köpenick, das Kanzleramt im Wagendorf Lohmühle, jeden Dienstag von 18:00 –
20:00 Uhr Leitung: Brigitte Oleschinski
Zeitraum: Von Mai – Ende Juni

Anmeldetermin: ab sofort
Anmeldeschluss: 11. Mai

Anmeldung: Interessenten melden sich bitte mit Angabe des Bezirkes bei: Dr. Matthias Kniep,
Tel: +49.30.48524544, E-Mail: m.kniep@literaturwerkstatt.org
Die Gruppenstärke ist begrenzt, gegebenenfalls nehmen die Dichter eine Auswahl vor.
Bitte geben Sie bei der Anmeldung Ihr Alter an. Schreiben Sie in ein, zwei Sätzen, warum Sie
an dem Projekt teilnehmen wollen.

Ulf Stolterfoht zum Stellenwert der Poesie heute

Posted in Autoren / poets, Ulf Stolterfoht by Heiko Strunk on 19. March 2010

Heute, Mitte März 2010, können im gesamten deutschsprachigen Raum genau 4 (vier) DichterInnen von ihrer Lyrik leben (Namen auf Anfrage). Diesen Vieren also gelingt es, die verbliebene poetische Nachfrage komplett abzudecken. Was darüber hinaus von Nebenerwerbs- und Hobbylyrikern produziert wird, geschieht jenseits irgendeines Bedarfs. Das wäre nun alles gar nicht schlimm, nur gerät so jeder poetologische Versuch automatisch zu einer gesellschaftlichen  Zustandsbeschreibung. Es werden wahrscheinlich weiterhin Gedichte geschrieben werden, allerdings werden wir keinen gemeinsamen Begriff mehr davon haben, was ein Gedicht ist oder sein könnte. Wittgensteins Käfer. Solipsismus und/oder Hartz IV. Dazu dann auch noch das schreckliche Berliner Bier.

Ulf Stolterfoht, Deutschland

– – –

Today, the middle of March 2010, exactly 4 (four) poets in the German-speaking world are able to live from their verse alone (names on request). These four therefore succeed in supplying all remaining poetic demand. All that is being produced besides that, from hobby and part-time poets, is being produced beyond what is needed.  That in itself would not be so bad if it didn’t mean that every attempt at an individual poetic statement automatically leads to a description of contemporary society. Poems will probably be continued to be written, although we will no longer have a common definition of what a poem is or could be. Wittgenstein’s “Beetle”. Solipsism and/or HARTZ IV. And in addition, the horrible Berlin beer.

Ulf Stolterfoht, Germany

[Translated by Rebecca Bartusch/Marisa Pettit]

Ulf Stolterfoht on lyrikline.org

Weitere Geburtstagsgrüße & More birthday wishes

Herzliche Gratulation!
lyrikline.org ist nach wie vor eine großartige Idee!
Eine verwirklichte Idee!
Liebe Grüsse aus Frankreich (zur Zeit),
Jürg Halter, Zürich, Schweiz

Congratulations!
It is a great cultural event indeed. I wish all of you luck.
With best regards to all people who are involved in this great happening.
Love & Peace,
Nahid Kabiri, Tehran, Iran

I am a avid reader of the site and being a visitor to the site is always a good experience. I have discovered new poets (from South-America, Asia, Africa) on lyrikline.org and this journey of discoveries will continue, I’m sure. Lyrikline.org makes it possible to access rare international contemporary poetry and is a very good platform for international exchange. Lyrikline.org is the best poetry site we have now, an extraordinary opportunity for poetry. Thanks and have a good 10 Year Anniversary!
Paolo Ruffilli, Treviso, Italy

Herzlichen Glückwunsch für lyrikline.org!
Es kann nicht genug Lyrik geben in dieser verqueren Welt.
Also weiter so, zehn mal zehn Jahre lang!
Ilma Rakusa, Zürich, Schweiz

Alles Gute zum 10. Geburtstag! Nicht nur ein Echo der Gegenwartslyrik, sondern mit dem “hörbaren Erbe” ein Echolot in die Zeit. Eine Quelle des Erstaunens auch: wie anders als in meiner Vorstellung die Stimmen von Benn oder Bachmann oder Celan klingen – und wie wirklich darum, wie gegenwärtig. Herzliche Grüße,
Sylvia Geist, Ronnenberg, Deutschland

herzliche gratulation zum 10jaehrigen.
die lyrikline ist ein wichtiges forum geworden. jeder autor kann sich
nur freuen und dankbar sein, dort dokumentiert zu sein.
alles gute fuer die zukunft und schoene gruesse von
Klaus Peter Dencker, Ahrensburg, Deutschland

Discovering, that a poem can be read, then transmitted through lyrikline all over the world, through all the languages. I was wondering what kind of voice I have while we were recording (I do not like weder my voice on the radio, noch my face on the Fernsehen, maybe like most humans!), but I am sure that everyone of us is happy to know that his/her poems are spread out over the planet, thanks to the serious work achieved by the team of this Werkstatt.
Sabah Zouein, Libanon

lyrikline.org ist ein ” Weltwunder”!
Ich sende mein Grußwort mit guten Gedanken und Glückwünschen
für die nächsten zehn Jahre.
Mit Bewunderung und Respekt
für das lyrikline.org – Team,
sehr herzlich
Mario Wirz, Berlin, Deutschland

lyrikline.org. Demnächst auch auf singhalesisch.
Harihari, bitteschön. Ihr macht das – ihr macht das wunderbar!
Ulrike Draesner, Berlin, Deutschland

Besten Dank, dass lyrikline mich 2001 als einen Preisträger
(einen hemdsärmligen Barden laut damaligen Juryurteil)
mit nur einer Veröffentlichung im Selbstverlag aufnahm.
Ich hoffe, Lyrikline hat auch die nächsten 10 Jahre Mut
zu solchen Handlungen.” Herzlichst
Maik Lippert, Berlin, Deutschland

CONGRATULATIONS!
I have such fond memories. Recording my ‘fox poems’ at yours…
Meeting you was the beginning of my first ‘international’ steps…
Wishing you all the best.
KEEP THE GOOD WORK GOIN’
Peter Holvoet-Hanssen, Belgium

Klaus Peter Dencker on lyrikline.org
Ulrike Draesner on lyrikline.org
Sylvia Geist on lyrikline.org
Jürg Halter on lyrikline.org
Peter Holvoet-Hanssen on lyrikline.org
Nahid Kabiri on lyrikline.org
Maik Lippert on lyrikline.org
Ilma Rakusa on lyrikline.org
Paolo Ruffilli on lyrikline.org
Mario Wirz on lyrikline.org
Sabah Zouein on lyrikline.org

Jubiläums-Gruß von Ulf Stolterfoht

Posted in Autoren / poets, Ulf Stolterfoht by Heiko Strunk on 18. December 2009

kleiner zwischenbericht. oktober 2004

der bau und die vermittlung komplexer strukturen kann heute
gleichermaßen als schlüsseltechnologie wie als subventions-
zwerg gelten. unsere arbeitsgruppe ist nun mittlerweile in der
lage, hoch organisierte dinge sehr präzise herzustellen und zu
verbreiten. im moment arbeiten wir an sonetten, die kleine
transistoren tragen und netzunabhängig senden. am ende stün-
de das lebendige gedicht – kann man das so sagen? das kann
man glaube ich so sagen. das muß man glaube ich so sagen.

Ulf Stolterfoht, Berlin, Deutschland

Ursprünglich ein Gruß zum 5-Jährigen Geburtstag von lyrikline.org

Ulf Stolterfoht on lyrikline.org

Jubiläums-Gruß von Oswald Egger

Posted in Autoren / poets, Oswald Egger by Heiko Strunk on 2. December 2009

oe00_bigHinter allen Aventüren, Unwägbarkeiten, welche durch und durch das Gedicht und seine Menschen (deren Hand aufs Wort jenes weiß und beteiligte) beides, eingehend sind und gleichsam eingingen (quasi unvordenklich hierin, Rede in Realität), … eben dort behält und bewahrt der Raum der Lyrikline schon interim seine ereignisreiche Exzeption (noch dazu die, wie ich denke, schönste ihrer Art), wo diese – als Umgebungs-Raum Unterredender (selbst im ununterredenden Gespräch) – Zugang zu den Archiven der Zukunft schuf und so unbetont betont offen hält. Daß inskünftige – aber wer weiß, was keiner weiß? – zwischen tunings und stumm umgehend (=Wörtlichkeit von Ambition) – der, die, das … was Sprache war, Berührung? aber lieben lernte und in Anspruch nehme, und jemand irgend als ob ihr Wort-für-Wort wieder in die Hand legte (wie ein jetzt bloß gefrorenes Wort, das erst lautbar werde, wenn es taut) und darin wärmt, distinkt, klar, nun atembar vernehmlich, und – selbst fast ausgespart – auch deutlich macht, d.i.: über beide Ohren hört (was eben nicht weniger wird, nur unentwegt). Und ich kann es noch einfacher sagen (und das unverworrene Tun): danke!, – ich habe zu danken.

Oswald Egger, Hombroich, Deutschland

Ursprünglich ein Gruß zum 5-Jährigen Geburtstag von lyrikline.org 😉

Oswald Egger auf lyrikline.org

lyrikline.org celebrates international poetry – world-wide!

Posted in about us, Autoren / poets, Bei Ling by Heiko Strunk on 9. November 2009

-Deutsche Version im Anschluss-

The week of events marking the tenth anniversary of lyrikline.org, the website for poetry, came to a close last Saturday, with one big final party. More than 400 internet users all over the world followed the event via live stream, and chatted with the poets present at the event, including Bei Ling from China and Nicole Brossard from Québec.
And of course, as at every birthday party, there was an enormous, delicious, birthday cake and afterwards, a DJ-Set by our Slovenian partner, alias ‘teoP’, whose tunes got all the partners and poets on to the dance floor.

All in all it was a fantastic week, full of readings and with both big, and smaller, highlights. Our heartfelt thanks goes out to all the participating poets as well as to the sixteen embassies and cultural institutes that made this literary movement possible. 63 poets from 22 countries read at 12 events to sold-out audiences, totalling over 2000 people. The week of events was opened by German Federal President Horst Köhler, and the poets Monika Rinck and Lebogang Mashile, who each gave insightful and eloquent speeches about poetry.

The week of events marking 10 years of lyrikline.org was carried out under the patronage of the EU Commissioner for Multilingualism, Leonard Orban.

lyrikline.org is an initiative of the Literaturwerkstatt Berlin. The week of events took place in cooperation with: the Embassy of the Republic of Argentina; the Embassy of the Republic of Estonia; the Embassy of the Republic of Finland; the Embassy of the Republic of Iceland; the Embassy of the Republic of Croatia; the Embassy of the Republic of Macedonia; the Embassy of the Republic of Slovenia; the Embassy of the Kingdom of the Netherlands; the Flemish Representative Office; the Greek Culture Foundation; Zweigstelle Berlin; the Ramon Llull Institute, Berlin; the Italian Cultural Institute, Berlin; The Royal Norwegian Embassy; the Titu Maiorescu Romanian Cultural Institute, Berlin; the Slovakian Institute, Berlin; Union des écrivaines et des écrivains québécois; and the Québec Government Office in Berlin.

With kind support from:
The Working Committee of Literary Societies, the German Foreign Office, The Federal Government Commissioner for Culture and Media, The German Technical Corporation (GTZ) GmbH, The Senate Chancellery for Cultural Affairs, Prussian Maritime Foundation, the Representation of the European Commission in the Federal Republic of Germany and The Mandala Hotel

web event realised by YouIn3D.com

lyrikline.org feierte die internationale Poesie weltweit

Mit einer großen Abschlussfeier ging am vorletzten Samstag die Festwoche zum10jährigen Jubiläum von lyrikline.org zu Ende. Über 400 User verfolgten die Veranstaltung per Live-Stream weltweit und chatteten mit den Dichtern, u.a. mit Bei Ling (China) und Nicole Brossard (Québec).
Und da es sich ja um eine Geburtstagsfeier handelte, gab es natürlich auch eine große, leckere Geburtstagstorte und im Anschluss ein hervorragendes DJ-Set von unserem slowenischen Partner alias „teoP“, das viele der anwesenden Partner, Dichter und Gäste dann nicht mehr von der Tanzfläche ließ.
Insgesamt war es eine ganz phantastische Woche voller interessanter Lesungen und mit vielen kleinen und großen Highlights. Unser Dank gilt neben den Autoren vor allem auch den 16 Botschaften und Kulturinstitutionen Berlins, ohne deren Beteiligung diese „Literaturbewegung“, wie es der Übersetzer Timo Berger genannt hat,  nicht möglich gewesen wäre. 63 Dichter aus 22 Ländern lasen bei12 Veranstaltungen vor ausverkauften Sälen mit insgesamt 2000 Besuchern. Begonnen hatte die Festwoche mit klugen und eingängigen Reden von Bundespräsident Horst Köhler, Monika Rinck und Lebogang Mashile.
Die Festwoche 10 Jahre lyrikline.org stand unter der Schirmherrschaft des EU Kommissars für Mehrsprachigkeit Leonard Orban.

lyrikline.org ist eine Initiative der Literaturwerkstatt Berlin. Die Festwoche fand statt in Kooperation mit: Botschaft der Republik Argentinien, Botschaft der Republik Estland, Botschaft der Republik Finnland, Botschaft der Republik Island, Botschaft der Republik Kroatien, Botschaft der Republik Makedonien, Botschaft der Republik Slowenien, Botschaft des Königreichs der Niederlande, Flämische Repräsentanz, Griechische Kulturstiftung, Zweigstelle Berlin, Institut Ramon Llull – Berlin, Italienisches Kulturinstitut Berlin, Königlich Norwegische Botschaft, Rumänisches Kulturinstitut “Titu Maiorescu” Berlin, Slowakisches Institut Berlin, Union des écrivaines et des écrivains québécois, Vertretung der Regierung von Québec – Büro Berlin

Mit freundlicher Unterstützung durch: Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften, Auswärtiges Amt, Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten, Stiftung Preußische Seehandlung, Europäische Kommission – Vertretung in der BRD, The Mandala Hotel

web event realised by YouIn3D.com

Geburtstagsgruß von Uwe Kolbe

Posted in Autoren / poets, Uwe Kolbe by Heiko Strunk on 3. November 2009

uk01Der Lyrikline ins „Poesiealbum“

Lyrikline ist eine schnell wachsende und unerhört bewegliche Chimäre. Das sagt schon ihr operetten- oder meinetwegen internet-hafter Name. Ihrem Charakter als maßloses Mischwesen entsprechen ihre Aktivitäten: Sie hat eine Sammel-Leidenschaft und eine Feinschmecker-Zunge, die sie nie ruhen lassen. Ein Teil ihres Selbst entstammt den Feldern Berlins: Sie ist ein Hamster. Die Mehrung der Sprachen, die „auf Lyrikline“ stattfindet, die dieses Biest veranstaltet, ist höchstens mit dem Pfingstwunder vergleichbar.
Und damit nicht genug: Als wären Dichterinnen, Dichter und ihre Produkte richtiger Schnaps (Lebenswasser, Aquavit), werden sie mit Hilfe von Lyrikline über den Äquator und über alle sonstigen erdumspannenden Linien auf dem Planeten der Dichtung der Welt geschickt. Von sich aus würden jene bekanntlich im Elfenbeinturm oder in Betrachtung unerhört wichtiger, meist blauer Blumen verharren und sich nur sehr geringfügig bewegen. Nun aber das, nun dieses hoch beladene Schiff! Eben im Hafen von Sydney, schon sichtet man es auf dem Rio de la Plata. Mal lässt es die kühle Ostsee aufwallen, dann tuckert es durch den Bosporus mit dem Klang einer Schreib- resp. Nähmaschine, die Kontinente vernäht, will sagen poetisch einander näher bringt. Stets atemlos und dennoch sangesfroh, wie in ihrer Nähe noch jede und jeder geworden und ihr treu geblieben ist, wünsche ich ihr noch viele Jahre chimärisch bunt gemischten Daseins und Wachstums. Gestehe ich ihr meine Liebe, nimmt sie es hoffentlich gnädig zur Kenntnis. Ihr Poesiealbum ist von frühester Jugend an voller zärtlicher Einträge.

Uwe Kolbe, Berlin, Deutschland

Uwe Kolbe on lyrikline.org

Die Wahrheit über Dichtung – Rede von Monika Rinck zur Eröffnung der Festwoche 10 Jahre lyrikline.org

Posted in about us, Autoren / poets, Monika Rinck by Heiko Strunk on 29. October 2009

Eröffnung der Festwoche zu 10 Jahre lyrikline.org

gezett.de

26.10.2009, Palais (Kulturbrauerei), Berlin

Die Wahrheit über Dichtung

Sehr geehrter Herr Bundespräsident, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde des guten Worts,

Das Gedicht ist da. Das ist wahr. Das Gedicht: Man beklagt oft seine Schwierigkeit. Das mag sein. Aber es ist nicht schwieriger als der Rest unserer Gegenwart, und dass man, um überhaupt etwas über die Welt auszusagen, nicht hinter ihre Komplexität zurückfallen darf, erscheint logisch. Es sei undurchsichtig, sperrig, es gebe sich nicht ohne weiteres preis. Aber woher wüsste ich, ohne das Gedicht, dass es dort, wo es mir die Sicht verstellt, überhaupt etwas zu sehen gibt? Dass es dort, wo es im Weg steht, einen Weg geben könnte? Und es gibt sich ja doch preis – es tut dies im Tausch gegen die ihm anvertraute Aufmerksamkeit. Das bedeutet nicht, dass es mir Zeit nimmt. Im Gegenteil: es gibt mir Zeit. Das Gedicht stellt sich gegen ein auftrumpfendes Aufmerksamkeitsregime, das mich mit spektakulären Trailern an die Stelle seines größtmöglichen Gewinns zu lotsen versucht. Mir wird Zeit geschenkt. Mir wird Zeit geschenkt, die ich als ein Prozess des Verstehens zu sehen befähigt werde. Das Gedicht ermöglicht mir, einem Gedanken Zeit zu geben. Es zeigt mir, wie schön es ist, immer wieder aufs Neue damit zu beginnen zu denken. (more…)

Grußwort von Bundespräsident Horst Köhler anlässlich der Festveranstaltung „10 Jahre Internetplattform ‚lyrikline.org’“ am 26. Oktober 2009 in Berlin

Posted in about us by Heiko Strunk on 26. October 2009

Bundespräsident Horst Köhler bei der Eröffnung der Festwoche zu 10 Jahre lyrikline.org

Foto: gezett.de

„Gedankenausflüge zu Wahrheit und Selbsterkenntnis“

Ich freue mich, dass ich heute Abend bei einer kleinen „radikalen“ Minderheit zu Gast sein darf. Ihre Einladung, dabei zu sein, wenn lyrikline.org zehn Jahre alt wird, habe ich sehr gern und sehr bewusst angenommen.

Wenn manchmal gefragt wird, wofür der Bundespräsident zuständig ist, dann sagt man gerne: Für’s Große und Ganze. Das ist auch richtig – im Großen und Ganzen. Wenn man aber genauer hinschaut, woraus das Große und Ganze denn besteht, dann wird mir immer klarer, dass es aus sehr vielen kleinen Teilen besteht.

Das gilt für die Gesellschaft, die zusammengehalten wird durch unzählig viele verschiedene Initiativen und Gruppen, aus engagierten Menschen, die eine Lücke gesehen und daraus eine Aufgabe für sich gemacht haben. Unsere Gesellschaft lebt von denen, die etwas gestalten, etwas anpacken, etwas zu ihrer Sache machen.

Auch das kulturelle Leben ist angewiesen auf die kreativen Ideen der einzelnen, auf die schöpferischen Initiativen von Minderheiten. Das Neue und Überraschende, das Unerhörte und Weiterführende – das entsteht meistens in einzelnen Köpfen, in kleinen Bewegungen und Projekten.

So ist es, wenn ich es richtig sehe, auch bei lyrikline gewesen. Auf diese Idee, die im Nachhinein wie das Selbstverständlichste der Welt klingt, auf diese Idee muss man aber erst einmal kommen, und man muss die Fähigkeit – und auch die Zähigkeit – haben, um sie in die Tat umzusetzen – und dann auch lebendig zu halten und wachsen zu lassen.

Diese Idee, die heute so selbstverständlich ist, heißt: Wir bringen die älteste Kunst, die Poesie, und das neuste Medium, das Internet, zusammen, um etwas gleichzeitig sehr Altes und aktuell wieder sehr Gefragtes jedem, der es möchte, zu ermöglichen: sich ein Gedicht vorlesen zu lassen; und zwar vom Dichter – oder von der Dichterin – selber.

Das hat funktioniert – und es funktioniert jetzt zehn Jahre lang – und es hat weltweite Wirkung. Dazu sage ich denen, die die Idee hatten, besonders der Literaturwerkstatt Berlin, allen, die zu lyrikline gehören, allen, die Sie unterstützen, und den Partnern in der ganzen Welt meinen herzlichen Glückwunsch!

Dass Lyrik und Poesie trotz des Internets keine Massenbewegung auslösen, ist Ihnen allen klar. Es geht aber in diesem Fall auch gar nicht um die Masse und die ganz große Zahl. Es geht darum, dass interessierte Einzelne in aller Welt einen Zugang zu dem bekommen, was für sie von großer Bedeutung ist, was sie für ihr geistiges Leben brauchen.

Warum sind für viele Menschen Gedichte so wichtig – und vorgelesene Gedichte erst recht? Weil Gedichte die dichteste, anspruchsvollste und subjektivste Art sind, Sprache zu gestalten, die Welt ins Wort zu fassen, die Existenz zum Ausdruck zu bringen. Gedichte sind kleine Widerstandsnester gegen die riesige Flut an Sprachmüll, der uns täglich aus allen Medien entgegenkommt. Wir reden vom Kommunikations- und Informationszeitalter, in dem wir leben – aber oft kommt es uns so vor, als sei die Kommunikation noch nie so belanglos und als sei die Information noch nie so leer gewesen. Die Sender müssen ja rund um die Uhr senden und die Online-Dienste ihre Schlagzeilen möglichst stündlich ändern – so kommt es, dass die Sprache in eine Art Überproduktionskrise geraten ist.

In dieser Situation stellt das Gedicht eine Unterbrechung dar.

Das Gedicht unterbricht für einen Augenblick das ewige Weiterreden. Es ermöglicht ein Atemholen – vielleicht sogar einen Moment der Wahrheit und der Selbsterkenntnis.

Insofern ist es eine wunderbare List, dass durch lyrikline ausgerechnet im vielleicht geschwätzigsten Medium das gelesene Gedicht diese Unterbrechung, dieses Atemholen ermöglichen kann. Man hat mir gesagt, dass die meisten Aufrufe wohl während der Mittagspause stattfinden – also dann, wenn die Menschen eine Unterbrechung brauchen – und sich dabei buchstäblich auf einen Gedankenausflug bringen lassen möchten.

Gedichte gehören laut gelesen – denn sie sind die Sprachform, die am meisten dem Lied verwandt ist, also Melodie und Rhythmus der Sprache in sich bergen und zeigen. Ich finde es immer wieder faszinierend, wie viel sich allein durch den Vortrag von Poesie mitteilt, selbst wenn man die Sprache nicht versteht. Im vorigen Jahr war Lebogang Mashile in Schloss Bellevue zu Gast – zusammen mit anderen afrikanischen Schriftstellern – und sie hat uns alle mit ihrer Performance fasziniert. Ich freue mich, dass ich Sie, Frau Mashile, heute Abend hier wiedersehen – und wiederhören kann!

Dass Sie heute hier sind, macht noch auf einen ganz wichtigen Aspekt von lyrikline aufmerksam: Die internationale Gemeinschaft der Poeten und der Poesieliebhaber wird durch diese Plattform wunderbar verstärkt und gefestigt. Das ist ein schöner Beitrag, den diese Initiative aus Deutschland für den weltweiten Austausch im kulturellen und geistigen Leben leistet.

Denn gerade Einzelgänger brauchen Zusammenhalt. Und die Poeten sind Einzelgänger. Und gerade die Schriftsteller aus den armen Gegenden der Welt, die von gedruckter und in Verlagen edierter Lyrik nur träumen können, haben durch lyrikline ein einzigartiges Mittel der Kommunikation bekommen. Auch dafür zolle ich gerne Lob und Anerkennung.

Die Globalisierung der Poesie hebt die Einzigartigkeit einer jeden Kultur nicht auf. Dass die ausländischen Autoren, die aufgenommen werden, nicht von Deutschland, sondern von den jeweiligen Partnerorganisationen ausgesucht werden, könnte fast ein Beleg dafür sein, die Poesie als Avantgarde einer partnerschaftlichen Globalisierung zu sehen. Aber ich will hier nichts instrumentalisieren.

Lyrik und Poesie haben ihr eigenes Recht, ihren eigenen Sinn. Dafür und deswegen brauchen und lieben wir sie. Sie, die Freunde und Mitarbeiter von lyrikline haben sich um die Poesie verdient gemacht. Und damit um’s Große und Ganze!

Dafür noch einmal vielen Dank!