lyrikline blog

Call for entries for the ZEBRA Poetry Film Festival 2020

Posted in Poetry Film, TJ Dema by lyrikline on 6. March 2020

In 2020, the ZEBRA Poetry Film Festival is inviting entries for the International Competition to find the best poetry films! Eligible for entry are short films produced in or after 2018, which are based on poems and are no more than 20 minutes in duration. All languages are allowed. The competition winners will be awarded prize money. A programme committee will select films for the International Competition and for all the other festival programmes from among the entries. The winning films will be chosen by a jury comprising representatives from the worlds of poetry, film and media.

 

ZEBRA is also inviting you to make a film interpretation of this year’s Festival Poem, “LETHE” by the poet TJ Dema. The directors of the three best film interpretations will be chosen by the programme committee and invited to come to Berlin where they will have the opportunity to present their films at the festival and discuss them with the poet. The Festival Poem may be used only for the purpose of film interpretation within the scope of this call for entries. For any other use at other festivals or on other platforms, etc. the film makers must obtain the rights from the rights holders. Text and audio of the poem can be found here at Lyrikline: https://www.lyrikline.org/en/poems/lethe-10308

Closing date for entries: 1. July 2020 (date as postmark)

The call for entries can be found here: https://www.haus-fuer-poesie.org/en/zebra-poetry-film-festival/call-entries/
Questions? – Contact us via zebra(at)haus-fuer-poesie.org

The ZEBRA Poetry Film Festival is organized by the Haus für Poesie in co-operation with interfilm Berlin and CineStar Kino in der KulturBrauerei. With the kind support of the Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

_______________

Ausschreibung für ZEBRA Poetry Film Festival 2020

2020 schreibt das ZEBRA Poetry Film Festival den Wettbewerb um die besten internationalen Poesiefilme aus! Eingereicht werden können ab 2018 produzierte Kurzfilme, die auf Gedichten basieren und nicht länger als 20 Minuten sind. Alle Sprachen sind zugelassen. Der Wettbewerb ist dotiert. Aus den Einsendungen trifft eine Programmkommission die Filmauswahl für den internationalen Wettbewerb und für alle weiteren Programme des Festivals. Eine aus Vertreter*innen der Bereiche Dichtung, Film und Medien besetzte Jury kürt die Gewinnerfilme.

Darüber hinaus lädt ZEBRA ein, das diesjährige Festivalgedicht „LETHE“ der Lyrikerin TJ Dema zu verfilmen. Die Regisseur*innen der drei besten Verfilmungen werden von der Programmkommission ausgewählt und nach Berlin eingeladen. Sie bekommen die Möglichkeit, ihre Filme im Festival vorzustellen und mit der Dichterin zu diskutieren. Das Festivalgedicht darf ausschließlich zur Verfilmung im Rahmen dieser Ausschreibung verwendet werden. Für jede weitere Verwendung bei anderen Festivals, Plattformen etc. müssen die Filmemacher*innen die Rechte mit den Rechteinhabern klären. Das Gedicht findet sich in Text und Ton hier auf Lyrikline: https://www.lyrikline.org/de/gedichte/lethe-10308

Einsendeschluss: 1. Juli 2020 (Poststempel)

Die Ausschreibung finden Sie hier: https://www.haus-fuer-poesie.org/de/zebrapoetryfilmfestival/zebra-ausschreibung
Bei Fragen: zebra(at)haus-fuer-poesie.org

Das ZEBRA Poetry Film Festival ist ein Projekt des Haus für Poesie in Kooperation mit CineStar Kino in der KulturBrauerei und interfilm Berlin. Mit freundlicher Unterstützung durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Lyrikline Hör-Lounge #3 (10/2019)

Posted in Daniel Falb, Hör-Lounge, Heiko Strunk, Nancy Hünger by lyrikline on 15. January 2020

Nancy Hünger & Daniel Falb im Haus für Poesie. foto ©gezett – http://www.gezett.de

Die letzte Hör-Lounge im Jubiläumsjahr von Lyrikline fand am 08. Oktober 2019 statt. Zu Gast waren Nancy Hünger und Daniel Falb, die beide hochinteressante Verbindungen zwischen den vorgestellten Gedichten und Musikstücken ziehen konnten. Bei Nancy ging die Auswahl immer vom Gedicht aus, und so erklang immer erst das Gedicht und dann die Musik, bei Daniel war es genau umgekehrt, in seinem Narrativ folgte das Gedicht jeweils der musikalische Komposition.

Heiko Strunk hat nicht nur die entsprechenden Gedichte und Stücke eingespielt, sondern auch die zwei Gäste gleichfalls durch Poesie-und-Musik-Relationen vorgestellt. [Die Nummerierungen folgen der Chronologie des Abends.]

     Nancy Hünger:
02. Christian Filips : Wie Wasser kocht // Xiu XiuI luv the Valley [Fabulous Muscles, 2004]
04. Barbara Köhler : Jemand geht // ESG You’re No Good [Dance to the Best of ESG, Compilation, 2010)
07. Otto Tolnai : Léket vágnijó // Mario BatkovicQuatere [Mario Batkovic, 2017]
09. Nicolas Born : Im Innern der Gedichte // Shellac Watch Song [1000 Hurts, 2000]
11. Adolf Endler : Resümé // John Zorn Inside Straight [Naked City, 1990]

      Daniel Falb:
03. Ann Cotten : Papa, Kind, Kalter Krieg // Marc Sabat Erbsen, Nr. 1 (Tarantella), Nr. 2 (Saraband)
05. Hermann Hesse : Stufen // Georg FriedrichDrei Stücke für Mollena, 1 (Das Ende der Sehnsucht)
08. Sabine Scho : Noah und seine Familie besteigen die Arche // Azealia BanksFierce [Fantasea, 2012]
10. Crispin Best : History Poem // Autechre r ess [Oversteps, 2010]
12. Elke Erb : Ursprüngliche Akkumulation // Galina UstvolskayaPrelude 1 Twelve Preludes for piano (1953)

      Heiko Strunk:
01. Nancy Hünger : Musik von sanften Motoren // Sex PistolsGod save the queen [Never Mind the Bollocks Here’s the Sex Pistols, 1977]
06. Rolandas Rastauska : Zappadla // Frank ZappaMy Guitar [7″, RSD 2016]
13. Daniel Falb : *** [Vielen Dank für diese wundervolle Einladung] // Syrinx Syren [Tumblers From The Vault (1970-1972)]

Heiko Strunk legt bei der Lyrikline Hör-Lounge Platten auf und spielt Gedichte ein. foto ©gezett – http://www.gezett.de

 

Lyrikline Hör-Lounge #2 (05/2019)

Posted in Hör-Lounge, Heiko Strunk, Sabine Scho, Tom Schulz by lyrikline on 15. January 2020
hörlounge2

Hör-Lounge #2 – Strunk, Scho, Schulz (v.l.)

Im Mai 2019 haben die Dichter*innen Sabine Scho und Tom Schulz in der Lyrikline-Hör-Lounge hochgeschätzte Musikstücke und Gedichte in Beziehung gebracht. In der Verantwortung von Heiko Strunk lag es erneut,  die entsprechenden Gedichte und Tracks, meist von Schallplatte, mal nacheinander, mal ineinander gemixt, mal das eine, mal das andere zuerst, zu Gehör zu bringen und mit eigenen Fundstücken weiterer Poesie-und-Musik-Relationen zu intervenieren.

Tom Schulz:

01. Ernst Jandl : wien heldenplatz // Throbbing GristleConvincing People [20 Jazz Funk Greats, 1979]
03. Gennadij Ajgi : Kindheit // Arvo PärtFratres [Tabula Rasa, 1984 – Fadeout bei 4.45]
07. Antonella Anedda : Benedetta tu a distanza // Sonic YouthDrunken Butterlfy [Dirty, 1992]
09. Nadja Küchenmeister : die mittagsstunde // Smog – In the pines [A river aint too much for love, 2005]
11. Derek Walcott : Midsummer I // Nick DrakeFrom the morning [Pink moon, 1972]

      Sabine Scho:
02. Karen Solie : Early in Winter // Captain BeefheartObservotary Crest [Bluejeans & Moonbeams, 1974]
04. Ann Cotten : Unendlicher Spannteppich // Filipe CattoEu nao quero mais [CATTO, 2017]
06. Jorge Kanese : Kribir mäu // Rosanna & Zelia – Povo do lugar [Coisário, 1999]
10. Sebastian Unger : Der unbefestigte Dompteur // Screamin’ Jay HawkinsMonkberry Moon Delight [1973]
12. Nicolai Kobus : [bitte verlassen sie diesen raum] // Albert Ayler – Going home [Swing Low Sweet Spiritual, 1971]

      Heiko Strunk:
05. EWOK : the revolution will not be televised // Gil Scott-HeronThe Revolution Will Not Be Televised [s/t, 1974]
08. Zoë Skoulding : The House Where it is Impossible Not to Fall in Love // Rheinallt H. Rowlands – Snow [Bukowski, 1996]

Lyrikline Hör-Lounge #1 (02/2019)

Posted in Frank Witzel, Hör-Lounge, Heiko Strunk, Ulf Stolterfoht by lyrikline on 8. October 2019

Im Jahr des 20. Geburtstags von Lyrikline haben wir begonnen, Listening-Sessions der besonderen Art zu veranstalten.
Dazu sind jeweils zwei Autoren eingeladen, sich gegenseitig und dem Publikum Gedichte von Lyrikline sowie Musikstücke oder Songs vorzustellen, die für sie von ganz besonderer Bedeutung sind. Was die Auswahl und die jeweilige Beziehung zwischen Poem und Track, zwischen den lyrics und Lyrik, im Einzelnen ausmacht, erzählen die Dichter*innen während der so genannten Lyrikline-Hör-Lounge.
Heiko Strunk, Projektleiter von Lyrikline, spielt vom DJ-Pult jeweils die entsprechenden Gedichte und Stücke ein, meist von Schallplatte, mal nacheinander, mal ineinander gemixt, mal das eine, mal das andere zuerst, und steuert darüber hinaus auch weitere Poesie-und-Musik-Relationen bei.
Diese Hör-Abende bringen so viele interessante, zuweilen überraschende, oft erstaunlich passende Kombinationen von Gedichten und Musikstücken mit sich, dass wir hier die Tracklists der Veranstaltungen sammeln wollen.

Lyrikline Hör-Lounge #1

 

Hör-Lounge #1 – Strunk, Stolterfoht, Witzel (v. l.)

Hör-Lounge #1 – Strunk, Stolterfoht, Witzel (v. l.)

      Frank Witzel:
01. Lawrence Ferlinghetti : A Coney Island of the mind 29 // Driscoll, Auger & TrinityWhen I Was Young [Streetnoise, 1969]
04. H.C. Artmann : hei bin e ned munta wuan // Karen Mantler The Flu [Get the Flu, 1990]
07. Heiner Müller : Selbstbildnis zwei Uhr … // Laura NyroTimer [Eli and the Thirteenth Confession, 1968] 
09. Friederike Mayröcker : etwas Kinder / oder / mehr … // Akiko Yano – Ko mado kara [Akiko Yano, 1990]

      Ulf Stolterfoht:
02. Oskar Pastior : Tacho Eschnapur // Skeleton CrewLearn to Talk [Learn to Talk, 1984]
05. Thomas Kling : Bildprogramme // Pere UbuHumor Me [390 Degrees Of Simulated Stereo, 1981]
06. Oswald Egger : Neumen, Unwelt, Korollar // Cpt. Beefheart /G. LucasFlavour Bud Living [Doc at the Radar Station, 1980]

      Heiko Strunk:
03. Geert Buelens : Aan het raam van Van Dyke.. // Van Dyke ParksThe All Golden [Song Cycle, 1967]
08. Caroline Bergvall : Untitled // Roberta Flack Compared to What [First Take, 1969]
10. Frank Baez : Heute Nacht träumte ich, ich wäre ein DJ

 

Call for Poems/Prose Poems on Resistance and Displacement

Posted in Uncategorized by lyrikline on 5. August 2019

Mānoa Journal of International Poetry (published by University of Hawaii Press) is looking for good and unique poems/prose poems in English or English translation on the theme of Tyranny (against any form of Tyranny) and the theme of Displacement (exile, self-exile, forced migration, refugee, etc.)
Please send your poems (previously unpublished in the USA) to Frank Stewart, editor of Mānoa, fstewart@hawaii.edu or to Ming Di, guest editor of these two issues, mindy20192019@gmail.com
by August 20, 2019
The two anthologies will be published in Dec 2019 and Spring 2020.

https://manoa.hawaii.edu/manoajournal/
https://manoa.hawaii.edu/manoajournal/2019
https://muse.jhu.edu/issue/40291

Jorge Kanese – vorgestellt von seinem Übersetzer Léonce W. Lupette

Posted in Autoren / poets, Jorge Kanese, Léonce W. Lupette, translator / Übersetzer by lyrikline on 31. December 2018

Mit der einfachen Meldung, dass man die Gedichte von Jorge Kanese, Dichter aus Paraguay, jetzt auf Lyrikline hören und lesen kann, schien es uns nicht getan. Zu vielschichtig ist dieses Werk, zu komplex auch die Leistung seines deutschen Übersetzers Léonce W. Lupette. Wir freuen uns deshalb sehr, dass Léonce bereit war, uns eine Einführung zu Jorge Kanese, dessen Hintergrund und zu seinen Gedichten sowie deren sprachlichen Besonderheiten zu schicken. Wir bedanken uns sehr herzlich dafür und wünschen viel Freude an der künstlerischen Meisterleistung beider Dichter!

Jorge Kanese (geb. 1947 in Asunción)

Si uno quiere algo bueno, eso cuesta, Kanese dixit: Wenn man etwas Gutes anstrebt, so muss man dafür leiden.1 Gelitten hat Kanese im Gefängnis unter Stroessners Diktatur, wo er gefoltert wurde. Sein Sprechen und Schreiben waren Grund für und sind auch Reaktion auf Inhaftierung und Folter, der Gedichtband Paloma Blanca Paloma Negra (1982) wurde vom paraguayischen Regime verboten. Wer einzig Kaneses Gedichte aus den letzten Jahren liest, diese wilden Mischungen und Mutationen des Spanischen, Portugiesischen, Guaraní und anderer Sprachen, wird vielleicht nicht ohne Weiteres die Schritte erahnen, die dieser berserkerischen, kompromisslosen, radikal-ludischen Ausdrucksweise vorausgegangen sind.

Unter seinen Gedichten aus den achtziger Jahren finden sich sowohl zarte, melancholische Stücke, aus denen persönliche und politische Verlorenheit und Isolation, äußerste Gefährdetheit und Vergänglichkeit sprechen, als auch wütende und witzige Faustschläge. Ansätze einer orthographischen Deformierung und Verwendung einzelner Wörter aus dem Guaraní bietet bereits De guau la gente no cambia von 1986. Noch geht es dabei hauptsächlich um das Provozieren, um einen Bruch sowohl mit poetischen als auch mit politischen und gesellschaftlichen Systemen und Schemata. Wut und Unverständnis über eine dekadente, selbstzerstörerische Menschheit und deren Dogmatismen werden von Band zu Band ausgeprägter, ebenso der schwarze Humor, die derbe bis hardchorevulgäre Sprache und die grotesken Bilder und Figuren, nicht selten voller Bezüge auf Philosophie- und Literaturgeschichte, das Widerrufen eines Verses im nächsten. In diesem schonungslosen Bruch mit der Erwartungshaltung einer von jahrzehntelanger, kulturfeindlicher Diktatur geprägten und international isolierten Gesellschaft steckt dennoch etwas Utopisches. Denn was diese Gedichte angreifen, wird mitnichten einem nihilistischen Zerstörungspessimismus preisgegeben; so einfach macht Kanese es sich und seiner Leserschaft nicht. Das Wesen vor allem seiner jüngeren Texte ist radikal lebensbejahend – sie strotzen vor Lust an der Sprache, am Denken, am Dissens.

Gegen Ignoranz, Isolation, Nationalismen, Reinheitsphantasmen und fragwürdige Kanonisierungen behaupten Kaneses Gedichte ein Anderes, indem sie zunächst das scheinbar Naheliegende aufnehmen: die im Triple-Frontera-Raum alltägliche Mischung aus Portugiesisch, Spanisch und Guaraní. An der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien wird Portuñol gesprochen, auf den Straßen Asuncións Jopará – eine nicht festschreibbare und von Sprachpuristen verachtete Mischung aus Spanisch und Guaraní. Diese Sprachsituation greift Kanese – eigentlich Canese, aber je nach Buch auch Kanexe oder Xanexe – auf, entwickelt sie weiter, erfindet ein unverkennbares eigenes Sprechen und Schreiben, in das auch italienische Grapheme oder englische Ausdrücke Einzug halten, ebenso wie Worte, die nach Guaraní oder Spanisch oder Portugiesisch klingen bzw. aussehen, die jedoch keiner standardisierten Sprache zuzuordnen sind. Silben und Laute werden gekappt, verdoppelt, verdreht und gedehnt, die Texte werden einerseits in ihrer Verfremdung unzugänglicher; andererseits ist (zumindest den Bewohnern der Triple Frontera) die sprachliche Geste der Mischung aus dem Alltag bekannt, und das Wesen dieser Sprachdeformierung ermöglicht Leserin und Leser außerdem zahllose Assoziationen, ja zwingt geradezu zum wilden Assoziieren, dazu, die Texte lesend in alle möglichen und unmöglichen Richtungen weiterzuspinnen.

In dieser genuin argobrasiguayischen Sprachsituation liegt aber auch das Problem für den deutschsprachigen Übersetzer. Spanisch und Portugiesisch lassen sich gut mischen, weil sie einander so ähnlich sind, und Guaraní und Spanisch haben eine lange gegenseitige Verpfropfungs- und Befruchtungsgeschichte, obwohl es höchst unterschiedliche Sprachen sind. Welche ähnliche Sprache grenzt auch geographisch ans Deutsche? Das Flämische? Oder doch besser das weiter entfernte britische Englisch? Und welche grundverschiedene Sprache gibt es, die in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums gesprochen und auf der Straße gar noch gemischt wird? Denn darin bestehen die wichtigen strukturellen, geographischen und historischen Zusammenhänge, die es mitzuübersetzen gilt. Daher die Entscheidung für das Türkische in der Übersetzung: Es ist omnipräsent, in vielen deutschen Städten gibt es Viertel und Geschäfte, deren Schilder, Werbeplakate, Aushänge etc., die zumindest bilingual sind, und auf den Straßen und im Nahverkehr verwenden längst nicht mehr nur noch die türkisch-migrantischen Jugendlichen anatolische Vokabeln. Dieses sehr gestische und kreative Kauderwelsch ist, in vielen Fällen, ebenfalls eine Sprache Ausgegrenzter und Verdrängter, denen keine leicht zu benennende Identität eignet. Darin scheint eine adäquate Analogie zum Jopará zu liegen, vor allem was den performativen Aspekt betrifft, der ja auch Kaneses Gedichte auszeichnet. Das Türkische eignet sich zudem nicht zuletzt auch deshalb, weil es viele Phoneme mit dem Deutschen teilt, sie aber graphisch anders ausdrückt, beide Sprachen zugleich Phoneme und Grapheme kennen, die der anderen jeweils fremd sind – ein Verhältnis, das auch zwischen den von Kanese verwendeten Sprachen besteht und das für seine Schreibpraktiken grundlegend ist.

Zum Weiterlesen: Jorge Kanese: Die Freuden der Hölle, hrsg. u. Übersetzt v. L. Lupette, Wiesbaden: Luxbooks, 2014.

Léonce Lupette, Dezember 2018

1 So Kanese in einem Video bei einem Besuch auf just dem Gelände, auf dem er inhaftiert war und gefoltert wurde. Siehe Webseite zur Aufarbeitung des Stronismo: http://www.meves.org.py/

Lupette © Emilia Quipildor Albornoz_big

Léonce W. Lupette (geb. 1986 in Göttingen)

Zum Weiterlesen empfehlen wir
auch die Gedichte von Léonce W. Lupette.
Eine Auswahl findet man auf Lyrikline.
Seit kurzem sind sie dort auch in tschechischer und spanischer Übersetzung verfügbar.

World Poetry Day and an Open Call from Belgium

To celebrate World Poetry Day on March 21, Lyrikline publishes six fine new poets from around the world between March 19-21 (find all their names below).

Laurence Vielle, photo © Isaora Sanna

Laurence Vielle

One of them is Wallonian poet Laurence Vielle, the first poet contributed by our new Wallonian network partner L’Arbre de Diane.

Laurence was the Belgian National Poet until Els Moors took over in January of 2018. Now Els Moors has started an open call in connection with World Poetry Day:

Adopt your city with a poem

On the 21st of March, World Poetry Day, the National Poet of Belgium, Els Moors, invites all people worldwide to gather their most beautiful odes and elegies on their cities (/ countries / states / …) and make them public. In times of gentrification, mass tourism and worldwide migration we are craving for lonely flâneurs and notorious wanderers who want to lay bare the mysterious heart of their cities. Are you still in love with the city you were born in? Were you pushed on by love, or obliged to leave your hearth and home? Adopt your city by writing an urban elegy and take part in the writing of the most exotic Lonely Planet at this time: The adopted cities.

Would you like to contribute to this special worldwide anthology, and motivate others to join?
Then join this action in a few steps:
1. Publish your own poem on our page starting the 21st of March 2018: www.adoptedcities.be
2. Post your poem on all your possible (social) media and encourage fellow citizens to adopt a city with a poem and to join the action. Everybody can share their city-poem on our website. On Facebook, please use #adoptedcities so we can follow and share your posts.
3. Enjoy an easily accessible and interactive online anthology, a playful way to motivate people to read and write poetry! 

Els Moors, private photo

Els Moors

Read the poems of Els Moors, “Dichter des Vaderlands” of Belgium here. Read the city poem of her predecessor and ambassador Laurence Vielle here.
We would – very much – like people from all over the world to take just a minute to think about poetry (and all its modern interpretations) and to write even a short piece of poetry. Let’s make a tribute to poetry and to our world together!

We hope that many people out there follow Els Moors’ call to post poems. We’d also like to invite you to discover the other new voices that we published on the occasion of this year’s World Poetry Day, next to Laurence Vielle:
M. NourbeSe Philip (Tobago/Canada)
Sukrita Paul Kumar
(India)
Benjamín Chávez (Bolivia)
Ketty Nivyabandi (Burundi/Canada) and
Yoko Tawada (Japan/Germany).

Happy World Poetry Day!

 

Poetry from India

With the start of 2018 we’ll be able to present more poetry from India on Lyrikline thanks to a newly established partnership in India. The Enchanting Verses Literary Review and poet and editor Sonnet Mondal as its country-editor for India take care of the selection and recording of new Indian poets. Their first contribution to Lyrikline is poet Anju Makhija and we’re glad that more new voices are already being prepared.

Many thanks to Sonnet Mondal not only for his efforts in presenting Indian poetry but also for an insight into poetry in India he compiled, giving us an idea about the developments from the beginning to today, the diversity of languages and the various traditions of this rich poetry universe of India.

 

Poetry from India (by Sonnet Mondal)

The literary history and tradition of India spins around poetry. From the Vedic times to the 21st century, Indian poetry has come a long way through epics, cultural intersections, conquests, devotion, local dialects, and festivals. Vedvyasa’s Mahabharata, considered as the longest epic poem in the world is so huge that there’s a saying — ‘What’s missing in the Mahabharata doesn’t exist in India’. With 110,000 couplets in eighteen sections — this epic is about seven times the combined length of Homer’s the Iliad and the Odyssey. Other India epics that substantially used poetry as the medium of expression were — Valmiki’s Ramayana, Māgha’s Shishupala Vadha, Māgha’s Kiratarjuniya, Aśvaghoṣa’s Buddhacarita and Jayadeva’s Gita Govinda. Even in these times — poetry flourished in other languages — in other parts of the country. The Sangam literature era — from 300 BC to 300 AD contains about 2381 poems in Tamil composed by 473 poets from diverse backgrounds. The Bhakti movement during the 15th and 17th century AD saw an emergence of devotional poetry, the influence of which still remains contemporary. Influenced by Vedic beliefs — the works of poets like Andal, Kabir, Tulsidas, Ramananda, Tukaram, Mirabai, and Narsinh Mehta still remain a muse of the post-post modern period.

Though most of the early Indian poetry appeared in Sanskrit — there was a shift in course of language towards the medieval period. Amir Khusrau penned mainly in Persian, but composed almost half a million verses in Persian, Turkish, Arabic, Braj Bhasha, Hindavi as well as the Khadi Boli. Later Hindus started writing in Persian and this led to the development of Indo-Persian literature. The Abd-Allāh cites over 130 names of Hindu-Persian poets who lived in the late 18th and 19th century. The first evidence of a Hindu writing Persian poetry is attributed to a Brahmin named Pandit Dungar Mal. In late 17th century — Sikhs also started contributing to the Persian poetry of India, and Guru Gobind Singh himself wrote an extensive Persian poem — Zˈafarnāma.

From Jayadeva in 12th century and Amir Khusrau in the 15th century, to Michael Madhusudan Dutt and Tagore in the 19th Century, poetry in Indian vernaculars reigned supreme. The father of Bengali Sonnet, Michael Madhusudan Dutt brought a revolution by penning the famous tragic epic — Meghnad Bodh Kavya and also by introducing blank verse in Bengali poetry.

The local and regional languages first encountered English in the beginning of the 18th century — with the break-up of the Mughal empire to British India. The first Nationalist Poet of Modern India- Henry Louis Vivian Derozio — considered the father of Indian English Poetry wrote in English and was much influenced by the English Romantic poets. Tagore translated his own work into English — in his book Gitanjali. Later, Nissim Ezekiel and A.K. Ramanujan wrote much under the influence of post-war American Poets and some British poets like Wilfred Owen. Ramanujan travelled to America in 1959 and stayed in Chicago until his death in 1993. He wrote profusely during these years. Indian English poetry- from Derozio and Toru Dutt through Nissim Ezekiel, A.K. Ramanujan and Jayanta Mahapatra to present day poets is recognized worldwide. It has come up as a form that has its own tradition, lyrical quality, approach, delivery and style. Inspite of the surge of Indian English literature, regional language literature through the hundreds of languages spoken in India today — has remained close to the hearts of readers. Regional languages in the country has given rise to many countries within one country bounded by boundaries without lines. Regional poetry in India, allows an insight into the diverse depictions and presentation of same things by different regions of India.

Delving into Indian poetry, is like descending an age old cave in search of minerals, wall arts and history. Selecting poets for Lyrikline cannot be all inclusive but there would be a constant quest to include the best contemporaries from various Indian languages.

Sonnet Mondal, photo: John Minihan

Sonnet Mondal, photo: John Minihan

ref:​ (Abd-Allāh, p. 216; McLeod, p. 80; Shackle and Mandair, pp. 137-44).

 

Sonnet Mondal is the author of Ink and Line and five other books of poetry. Winner of the 2016 Gayatri Gamarsh Memorial Award for literary excellence, Mondal was one of the authors of the ‘Silk Routes’ project of the IWP, University of Iowa, from 2014 to 2016. He is the editor-in-chief of the Enchanting Verses Literary Review, and lives in Kolkata.

Corresponding Texts – Translation as a Call and Response

Posted in Autoren / poets, Marion Poschmann, Sharmila Cohen, translator / Übersetzer by lyrikline on 14. November 2017

When translator Sharmila Cohen sent lyrikline her translations of Marion Poschmann’s cycle of poems “künstliche Landschaften“, what we received was much more than a mere translation.

künstliche Lanschaften 1 / articifical landscapes 1 @Sharmila Cohen

Marion Poschmann’s künstliche Landschaften 1 / articifical landscapes 1 ©Sharmila Cohen

We found these experimental visualised texts so intestesting that we asked Sharmila if we could publish them here on our blog and she agreed.

künstliche Landschaften 2 / artificial landscapes

Marion Poschmann’s künstliche Landschaften 2 / articifical landscapes 2 ©Sharmila Cohen

Sharmila Cohen on this project:

This series is part of a project that investigates poetry translation as a correspondence between author and translator. For this translation, I took Marion Poschmann’s original poems and translated them in two ways: first by attempting to faithfully retain as much of the original content from the German version as possible; and then by writing new poems that directly responded to each of her texts. In this way, non-German-speaking readers gain insight into the German text through these two distinct vantage points. There is also a third sort of “translation” going on here: a visual representation of the translation act itself. Using various design elements, I attempted to show the movement and relationship between all three versions of each text, depicting a sense of call and response, as well as enforcing the notion of creative translation as an evolving form of interpretation.

künstliche Landschaften 3 / articifical landscapes 3

Marion Poschmann’s künstliche Landschaften 3 / articifical landscapes 3 ©Sharmila Cohen

About the translator:

Sharmila Cohen lives in Berlin, where she initially moved on a Fulbright Scholarship to investigate poetry in translation and now works as a freelance writer, translator, and editor. She is a co-founding editor of the translation press Telephone Books. Her work can be found in Harper’s Magazine, Circumference, and Epiphany, among other places.

künstliche Landschaften 4 / articifical landscapes 4

Marion Poschmann’s künstliche Landschaften 4 / articifical landscapes 4 ©Sharmila Cohen

German poet Marion Poschmann was asked to be this year’s lyrikline curator, tasked with selecting four German speaking poets to be recorded for the website in 2017. She will introduce her selections at an event at Haus für Poesie in Berlin on November 16, 2017.

künstliche Landschaften 5 / articifical landscapes 5

Marion Poschmann’s künstliche Landschaften 5 / articifical landscapes 5 ©Sharmila Cohen

 

Petr Borkovec zur tschechischen Lyrik der letzten zwanzig Jahre

Posted in Autoren / poets, country portrait, Länderporträt, our network partners, Petr Borkovec by lyrikline on 1. November 2017

Petr Borkovec (*1970) ist ein weit über Tschechien hinaus geschätzter Dichter. Wir kennen ihn, seit er 2004 als Gast des Berliner Künstlerprogramm des DAAD nach Berlin kam. Fast genauso so lange kann man seine Gedichte schon auf lyrikline hören; nun um 5 neue, 2017 aufgenommene Gedichte erweitert.

Borkovec_Skiba2
Foto: Dirk Skiba

Petr organisiert in Prag die Lesungen des Café Fra und war u.a. Kurator der deutsch-tschechischen Lyrik-Reihe Im Hier und Jetzt des Goethe-Institut Prag. Er hat einen exzellenten Überblick über aktuelle Poesie und 2012 einen lesenswerten Essay zur tschechischen Lyrik der letzten 20 Jahre geschrieben, den es inzwischen auch in deutscher Übersetzung gibt. Wir danken unserem tschechischen Lyrikline-Partner für den Hinweis auf diesen Essay und dem Autor und dem Goethe-Institut Prag dafür, dass wir ihn hier veröffentlichen dürfen. (Den tschechischen Originaltext findet man unterhalb der deutschen Übersetzung.)


Die Begegnung mit den Arbeiten eines jungen Dichters lässt den Lyriker Petr Borkovec über die tschechische Lyrik der letzten zwanzig Jahre nachdenken.

Heute habe ich einen Brief mit Gedichten bekommen, von einem Autor, der 1990 geboren wurde. Die Gedichte sind, glaube ich, gut, einige sind mir sehr nahe, bestimmt werde ich was davon drucken. Der Dichter wurde in dem Jahr geboren, in dem ich mein erstes Buch veröffentlicht habe. Beide sind also gleichalt. Es wäre so schön, sage ich mir, wenn ich seine Lyrik überhaupt nicht verstünde, spüren würde, wie fern sie mir in jeder Hinsicht ist, und gleichzeitig von ihr fasziniert wäre, ihr verfiele. Doch das passiert nicht. Ich lese sie, wähle aus, sortiere, ordne, einige Gedichte lege ich beiseite. Entweder ist aus mir ein literarischer Routinier geworden (was wahrscheinlich ist) oder die tschechische Lyrik hat sich in den letzten zwanzig Jahren nicht allzu sehr verändert.
Ich weiß es nicht. Normalerweise denke ich darüber nicht nach.

Vor zwanzig Jahren…

Kein Dichter hat hier in diesen zwanzig Jahren literarisch Revolution gemacht und die tschechische Dichtung in eine unerwartete und unerforschte Richtung gewendet, das ist wahr. Aber wollte das jemand? (more…)