lyrikline blog

World Poetry Day 2022 – May these be words of hope, faith and comfort

Einen Waffenstillstand, einen Waffenstillstand, nur um die
            
Absicht zu prüfen,
Es kann ja sein, daß ein Stück Frieden in die Seele sickert
Und wir mit Poesie um die Liebe der Dinge wetteifern.
Mahmud Darwisch, Belagerungszustand (original: ar, translation: de)

my mother red with laughter, my father cupping
his left hand under his armpit, doing the dance
of old Ukraine, the sound of his skin half drum,
half fart, the world at least a meadow,
the three of us whirling and singing, the three of us
screaming and falling, as if we were dying,
as if we could never stop – in 1945 –
Gerald Stern, The Dancing (original: en, translations: de, he)

I survived somehow, and now we have peace (…) again.
I have no idea what I will do next.
Sándor Tatár, „War and Peace”
(original: hu, translations: de, en, dk, is, he, fr, nl, ka, ro, it)

gesagtes und leiden stumm
in zwei worten genannt
in drei schmerzen gebannt
und lasst uns die herzen befreien
befreit das leiden
Tanella Boni, [parole et souffrance muettes] (original: fr, translation: de)

And this must be
a sort of peace:
a botanical secret
of light
Ana Luísa Amaral, Uma botânica da paz: visitação
(original: pt, translations: de, en)

Schmerz wirkt unterschiedlich
in verschiedenen Orten
Zum Beispiel
Ich habe nur Kopfschmerzen
Du hast verloren nur eine Hand
Er alles
Mustapha Samady, دردستان – Schmerzland (original: fa, translation: de)

Silbern ist der Wind, der zu jeder Stunde des Vergessens drei
zusätzliche Stunden des Vergessens hinzufügt, die sich immerfort
in der Gegenwart ereignen;
[…]
Silbern ist der Flug der Möwe, die das Gesagte und das Verschwiegene zusammennäht
und einen dauerhaften Waffenstillstand mit dem Läuten der Abendglocken stiftet
Uroš Zupan, Srebro (original: sl, translation: de)

after the war,
what do we do
with the guns
and the machetes?
Natalia Molebatsi, after the war
(original: en, translation: de)

Let someone say on your behalf
that those towers don’t tumble down
Nothing happens to them
Those people never end
Tushar Dhawal, Papa, look (original: hi, translations: en, de)

Meine Müh im Heer –
Eine Kreisumkehr.
Der Bruder mein
War verkehrt der Feind.
Olga Martynova, Tschwirik im Krieg (original: ru, translations: de, sr, sv)

und ich frage: wer ist dieser ruhm
und was macht er mit den herzen
er schenkt der sinnlosigkeit ringsum ein wenig sinn
als wäre doch nicht alles umsonst
Volha Hapeyeva, schwarzer apfelbaum (original: hi, translations: en, de)

The old butterfly flaps its slender wings through the smoky air
exhausted and breathless
he flies over the ashy battlefields 
and lays his powdery, golden trail 
on the wailing grounds
[…]
he breathes in all the unborn flowers
and he lives.
Ketty Nivyabandi, Hope (original: en, translation: de)

herr
laß uns das gespräch wieder aufnehmen
nach langem erzwungenem schweigen
nachdem du deine geschöpfe denaturiert hast
in auschwitz
in hiroshima
in halabtsche
in srebrenica
gehst du nun auf die knie vor den opfern?
und vor den tätern auch?
und glaubst du
daß wir die Versuchung zu einer noch radikaleren
                                                           liebe überstehen
ohne dein wort?
SAID, Psalmen (Auszug) (original: de, translations: en, fr)

Forgiveness
is to renounce voluntarily
the legitimate claim to vengeance.

Vergeben
ist freiwilliger Verzicht
auf das legitime Recht
der Rache.
Odile Arqué, Perdonar (original: ca, translation: de, en)

Ich hab Leben gewählt
mit dem ganzen Ballast
die Füße sind schwer
es versagt mir die Stimme
Ilana Shmueli, [Neige dich zu deinen Toten / Ich hab Leben gewählt]
(original: de, translations: ar, fr)

stilles leben, Stilleben; die farbwelt dieser kompositon wird von
mattgelb dominiert; die blutorangen in der kristallschale
erinnern an kriegsveteranen bei tagesanbruch im schwimmbad,
dessen panoramafenster voller spritzer und fingerabdrücke
sind: gefilterter unreiner morgenschein, altgold; die komposition
verewigt den frieden, den die welt geben kann
Risto Oikarinen, [hiljaiselo, Stilleben…]  (original: fi, translations: de, sv)

Call for entries for the ZEBRA Poetry Film Festival 2021

Posted in Odile Kennel by Heiko Strunk on 3. June 2021

Also in 2021, the ZEBRA Poetry Film Festival in Berlin is inviting entries for its competition for the best international poetry films. Eligible for entry are international short films produced from 1st of January 2020, which are based on poems and are no more than 20 minutes in duration. All languages are allowed. The competition winners will be awarded prize money. A programme committee will select films for the international competition and for all the other festival programmes from among the entries. At the festival, the winning films will be selected by a jury comprising international representatives from the worlds of poetry, film and media.

In addition, ZEBRA is inviting filmmakers to submit a film interpretation of this year’s festival poem “going to Pasárgada” by the poet Odile Kennel. Text and audio of the poem together with translations come from lyrikline.org. The directors of the three best film interpretations will be chosen by the programme committee and invited to come to Berlin where they will have the opportunity to present their films at the festival and discuss them with the poet. (The festival poem may be used only for the purpose of film interpretation within the scope of this call for entries. For any other use at other festivals or on other platforms, etc. the film makers must obtain the rights from the rights holders.)

Entry deadline is the 1st of July 2021.

Questions?  Contact zebra(at)haus-fuer-poesie.org 

Conditions of participation and registration form

Ausschreibung für das ZEBRA Poetry Film Festival 2021

Auch im Jahr 2021 schreibt das ZEBRA Poetry Film Festival in Berlin den Wettbewerb um die besten internationalen Poesiefilme aus. Eingereicht werden können ab dem 1. Januar 2020 produzierte Kurzfilme, die auf Gedichten basieren und nicht länger als 20 Minuten sind. Alle Sprachen sind zugelassen. Der Wettbewerb ist dotiert. Aus den Einsendungen trifft eine Programmkommission die Filmauswahl für den Internationalen Wettbewerb und für alle weiteren Programme des Festivals. Zum Festival kürt eine aus internationalen VertreterInnen der Bereiche Dichtung, Film und Medien besetzte Jury die Gewinnerfilme. 

Darüber hinaus lädt das ZEBRA ein, das diesjährige Festivalgedicht „nach Pasárgada“ der Lyrikerin Odile Kennel zu verfilmen. Das Gedicht in Text, Ton und in Übersetzungen wird von lyrikline.org zur Verfügung gestellt. Die RegisseurInnen der drei besten Verfilmungen werden nach Berlin eingeladen. Sie bekommen die Möglichkeit, ihre Filme im Festival vorzustellen und mit der Dichterin zu diskutieren. (Das Festivalgedicht darf ausschließlich zur Verfilmung im Rahmen dieser Ausschreibung verwendet werden. Für jede weitere Verwendung bei anderen Festivals, Plattformen etc. müssen die FilmemacherInnen die Rechte mit den RechteinhaberInnen klären.)

Bei Fragen wenden Sie sich an: zebra(at)haus-fuer-poesie.org

Der Einsendeschluss ist der 1. Juli 2021.

Teilnahmebedingungen und Anmeldeformular

Lyrikline Hör-Lounge #4 (09/2020)

Posted in Uncategorized by lyrikline on 20. October 2020

Am 24.9.20 fand in der WABE Berlin die vierte Lyrikline Hör-Lounge statt. Ein Format, bei dem zwei Dichter*innen Verbindungen zwischen Lyrikline-Favorites und Musikstücken ziehen. Bei dieser ersten Hör-Lounge im Jahr 2020 waren Maren Kames und Tristan Marquardt zu Gast. Heiko Strunk hat wie immer die entsprechenden Gedichte und Stücke eingespielt.
Diesmal kamen auch Musik-Gedicht-Kompositionen zum Einsatz, die von Tristan bereits vor einigen Jahren produziert wurden [#02+09]. Ansonsten wurde zumeist erst das Gedicht zu Gehör gebracht, danach die Musik. Bei der sechsten Kombi allerdings lief auf Anweisung von Maren die Stimme Elke Erbs erst ab der 37. Sekunde parallel zum Track. Sehr vergnüglich das. Überhaupt bemerkenswert, dass sowohl Maren als auch Tristan sich unabhängig von einander bei den Tausenden Gedichten für dasselbe Gedicht von Elke Erb entschieden haben. [Die Nummerierungen zeichnen die Chronologie des Abends nach.]

Maren Kames:
01. Uljana Wolf : aufwachraum 1 // Massive AttackTeardrop [Mezzanine, 1998]
03. Herta Müller : Collage N° 481 // Kids & ExplosionsThere is a Burning Ball of Fire [Shit Computer, 2010]
06. Elke Erb : Selbstgespräche sind nur Meeresrauschen // Fragil Kuckuck [released August 2020]
08. Michael Ondaatje : Nine Sentiments (IX) // John Cale Paris 1919 [Paris 1919, 1973]
11. Ann Cotten : Sitzt, passt, raubt mir die Luft // Darondo Didn’t I [Listen to My Song]

Tristan Marquardt:
02. Jessica Care Moore : Walking Up 158th Street // Fugees – Ready or not (Instr.) [The Score, 1996] G13 Mix
05. Elke Erb : Selbstgespräche sind nur … // Umeko AndoPekanpe Uk [Ihunke, 2001]
07. Dagmara Kraus : kummerang // Shackleton Hamas Rule [Soundboy’s Bones Get Buried… Vol. 2, 2006]
09. Oswald Egger : Herde der Rede I // Lawrence – In Your Eyes [poem mixed with vinyl]
12. Uwe Kolbe : Sailor’s We Must Stop // Todd OsbornMichigan Dream [12″, 2014]

Heiko Strunk:
04. Armin Senser : Hommage an Glenn Gould // Glenn GouldJ. S. Bach, Das Wohltemperierte Klavier [1975]
10. LaTasha N. Nevada Diggs : Fingers Inc. – Mystery of Love // Fingers Inc.Mystery of Love [ 12″, 1985]

Hör-Lounge #4 mit Heiko Strunk, Maren Kames und Tristan Marquardt (v. l.)

Call for entries for the ZEBRA Poetry Film Festival 2020

Posted in Poetry Film, TJ Dema by lyrikline on 6. March 2020

In 2020, the ZEBRA Poetry Film Festival is inviting entries for the International Competition to find the best poetry films! Eligible for entry are short films produced in or after 2018, which are based on poems and are no more than 20 minutes in duration. All languages are allowed. The competition winners will be awarded prize money. A programme committee will select films for the International Competition and for all the other festival programmes from among the entries. The winning films will be chosen by a jury comprising representatives from the worlds of poetry, film and media.

 

ZEBRA is also inviting you to make a film interpretation of this year’s Festival Poem, “LETHE” by the poet TJ Dema. The directors of the three best film interpretations will be chosen by the programme committee and invited to come to Berlin where they will have the opportunity to present their films at the festival and discuss them with the poet. The Festival Poem may be used only for the purpose of film interpretation within the scope of this call for entries. For any other use at other festivals or on other platforms, etc. the film makers must obtain the rights from the rights holders. Text and audio of the poem can be found here at Lyrikline: https://www.lyrikline.org/en/poems/lethe-10308

Closing date for entries: 1. July 2020 (date as postmark)

The call for entries can be found here: https://www.haus-fuer-poesie.org/en/zebra-poetry-film-festival/call-entries/
Questions? – Contact us via zebra(at)haus-fuer-poesie.org

The ZEBRA Poetry Film Festival is organized by the Haus für Poesie in co-operation with interfilm Berlin and CineStar Kino in der KulturBrauerei. With the kind support of the Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

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Ausschreibung für ZEBRA Poetry Film Festival 2020

2020 schreibt das ZEBRA Poetry Film Festival den Wettbewerb um die besten internationalen Poesiefilme aus! Eingereicht werden können ab 2018 produzierte Kurzfilme, die auf Gedichten basieren und nicht länger als 20 Minuten sind. Alle Sprachen sind zugelassen. Der Wettbewerb ist dotiert. Aus den Einsendungen trifft eine Programmkommission die Filmauswahl für den internationalen Wettbewerb und für alle weiteren Programme des Festivals. Eine aus Vertreter*innen der Bereiche Dichtung, Film und Medien besetzte Jury kürt die Gewinnerfilme.

Darüber hinaus lädt ZEBRA ein, das diesjährige Festivalgedicht „LETHE“ der Lyrikerin TJ Dema zu verfilmen. Die Regisseur*innen der drei besten Verfilmungen werden von der Programmkommission ausgewählt und nach Berlin eingeladen. Sie bekommen die Möglichkeit, ihre Filme im Festival vorzustellen und mit der Dichterin zu diskutieren. Das Festivalgedicht darf ausschließlich zur Verfilmung im Rahmen dieser Ausschreibung verwendet werden. Für jede weitere Verwendung bei anderen Festivals, Plattformen etc. müssen die Filmemacher*innen die Rechte mit den Rechteinhabern klären. Das Gedicht findet sich in Text und Ton hier auf Lyrikline: https://www.lyrikline.org/de/gedichte/lethe-10308

Einsendeschluss: 1. Juli 2020 (Poststempel)

Die Ausschreibung finden Sie hier: https://www.haus-fuer-poesie.org/de/zebrapoetryfilmfestival/zebra-ausschreibung
Bei Fragen: zebra(at)haus-fuer-poesie.org

Das ZEBRA Poetry Film Festival ist ein Projekt des Haus für Poesie in Kooperation mit CineStar Kino in der KulturBrauerei und interfilm Berlin. Mit freundlicher Unterstützung durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

Lyrikline Hör-Lounge #3 (10/2019)

Posted in Daniel Falb, Hör-Lounge, Heiko Strunk, Nancy Hünger by lyrikline on 15. January 2020

Nancy Hünger & Daniel Falb im Haus für Poesie. foto ©gezett – http://www.gezett.de

Die letzte Hör-Lounge im Jubiläumsjahr von Lyrikline fand am 08. Oktober 2019 statt. Zu Gast waren Nancy Hünger und Daniel Falb, die beide hochinteressante Verbindungen zwischen den vorgestellten Gedichten und Musikstücken ziehen konnten. Bei Nancy ging die Auswahl immer vom Gedicht aus, und so erklang immer erst das Gedicht und dann die Musik, bei Daniel war es genau umgekehrt, in seinem Narrativ folgte das Gedicht jeweils der musikalische Komposition.

Heiko Strunk hat nicht nur die entsprechenden Gedichte und Stücke eingespielt, sondern auch die zwei Gäste gleichfalls durch Poesie-und-Musik-Relationen vorgestellt. [Die Nummerierungen folgen der Chronologie des Abends.]

     Nancy Hünger:
02. Christian Filips : Wie Wasser kocht // Xiu XiuI luv the Valley [Fabulous Muscles, 2004]
04. Barbara Köhler : Jemand geht // ESG You’re No Good [Dance to the Best of ESG, Compilation, 2010]
07. Otto Tolnai : Léket vágnijó // Mario BatkovicQuatere [Mario Batkovic, 2017]
09. Nicolas Born : Im Innern der Gedichte // Shellac Watch Song [1000 Hurts, 2000]
11. Adolf Endler : Resümé // John Zorn Inside Straight [Naked City, 1990]

      Daniel Falb:
03. Ann Cotten : Papa, Kind, Kalter Krieg // Marc Sabat Erbsen, Nr. 1 (Tarantella), Nr. 2 (Saraband)
05. Hermann Hesse : Stufen // Georg FriedrichDrei Stücke für Mollena, 1 (Das Ende der Sehnsucht)
08. Sabine Scho : Noah und seine Familie besteigen die Arche // Azealia BanksFierce [Fantasea, 2012]
10. Crispin Best : History Poem // Autechre r ess [Oversteps, 2010]
12. Elke Erb : Ursprüngliche Akkumulation // Galina UstvolskayaPrelude 1 Twelve Preludes for piano (1953)

      Heiko Strunk:
01. Nancy Hünger : Musik von sanften Motoren // Sex PistolsGod save the queen [Never Mind the Bollocks Here’s the Sex Pistols, 1977]
06. Rolandas Rastauska : Zappadla // Frank ZappaMy Guitar [7″, RSD 2016]
13. Daniel Falb : *** [Vielen Dank für diese wundervolle Einladung] // Syrinx Syren [Tumblers From The Vault (1970-1972)]

Heiko Strunk legt bei der Lyrikline Hör-Lounge Platten auf und spielt Gedichte ein. foto ©gezett – http://www.gezett.de

Lyrikline Hör-Lounge #2 (05/2019)

Posted in Hör-Lounge, Heiko Strunk, Sabine Scho, Tom Schulz by lyrikline on 15. January 2020

hörlounge2

Hör-Lounge #2 – Strunk, Scho, Schulz (v.l.)

Im Mai 2019 haben die Dichter*innen Sabine Scho und Tom Schulz in der Lyrikline-Hör-Lounge hochgeschätzte Musikstücke und Gedichte in Beziehung gebracht. In der Verantwortung von Heiko Strunk lag es erneut,  die entsprechenden Gedichte und Tracks, meist von Schallplatte, mal nacheinander, mal ineinander gemixt, mal das eine, mal das andere zuerst, zu Gehör zu bringen und mit eigenen Fundstücken weiterer Poesie-und-Musik-Relationen zu intervenieren.

Tom Schulz:

01. Ernst Jandl : wien heldenplatz // Throbbing GristleConvincing People [20 Jazz Funk Greats, 1979]
03. Gennadij Ajgi : Kindheit // Arvo PärtFratres [Tabula Rasa, 1984 – Fadeout bei 4.45]
07. Antonella Anedda : Benedetta tu a distanza // Sonic YouthDrunken Butterlfy [Dirty, 1992]
09. Nadja Küchenmeister : die mittagsstunde // Smog – In the pines [A river aint too much for love, 2005]
11. Derek Walcott : Midsummer I // Nick DrakeFrom the morning [Pink moon, 1972]

      Sabine Scho:
02. Karen Solie : Early in Winter // Captain BeefheartObservotary Crest [Bluejeans & Moonbeams, 1974]
04. Ann Cotten : Unendlicher Spannteppich // Filipe CattoEu nao quero mais [CATTO, 2017]
06. Jorge Kanese : Kribir mäu // Rosanna & Zelia – Povo do lugar [Coisário, 1999]
10. Sebastian Unger : Der unbefestigte Dompteur // Screamin’ Jay HawkinsMonkberry Moon Delight [1973]
12. Nicolai Kobus : [bitte verlassen sie diesen raum] // Albert Ayler – Going home [Swing Low Sweet Spiritual, 1971]

      Heiko Strunk:
05. EWOK : the revolution will not be televised // Gil Scott-HeronThe Revolution Will Not Be Televised [s/t, 1974]
08. Zoë Skoulding : The House Where it is Impossible Not to Fall in Love // Rheinallt H. Rowlands – Snow [Bukowski, 1996]

Lyrikline Hör-Lounge #1 (02/2019)

Posted in Frank Witzel, Hör-Lounge, Heiko Strunk, Ulf Stolterfoht by lyrikline on 8. October 2019

Im Jahr des 20. Geburtstags von Lyrikline haben wir begonnen, Listening-Sessions der besonderen Art zu veranstalten.
Dazu sind jeweils zwei Autoren eingeladen, sich gegenseitig und dem Publikum Gedichte von Lyrikline sowie Musikstücke oder Songs vorzustellen, die für sie von ganz besonderer Bedeutung sind. Was die Auswahl und die jeweilige Beziehung zwischen Poem und Track, zwischen den lyrics und Lyrik, im Einzelnen ausmacht, erzählen die Dichter*innen während der so genannten Lyrikline-Hör-Lounge.
Heiko Strunk, Projektleiter von Lyrikline, spielt vom DJ-Pult jeweils die entsprechenden Gedichte und Stücke ein, meist von Schallplatte, mal nacheinander, mal ineinander gemixt, mal das eine, mal das andere zuerst, und steuert darüber hinaus auch weitere Poesie-und-Musik-Relationen bei.
Diese Hör-Abende bringen so viele interessante, zuweilen überraschende, oft erstaunlich passende Kombinationen von Gedichten und Musikstücken mit sich, dass wir hier die Tracklists der Veranstaltungen sammeln wollen.

Lyrikline Hör-Lounge #1

 

Hör-Lounge #1 – Strunk, Stolterfoht, Witzel (v. l.)

Hör-Lounge #1 – Strunk, Stolterfoht, Witzel (v. l.)

      Frank Witzel:
01. Lawrence Ferlinghetti : A Coney Island of the mind 29 // Driscoll, Auger & TrinityWhen I Was Young [Streetnoise, 1969]
04. H.C. Artmann : hei bin e ned munta wuan // Karen Mantler The Flu [Get the Flu, 1990]
07. Heiner Müller : Selbstbildnis zwei Uhr … // Laura NyroTimer [Eli and the Thirteenth Confession, 1968] 
09. Friederike Mayröcker : etwas Kinder / oder / mehr … // Akiko Yano – Ko mado kara [Akiko Yano, 1990]

      Ulf Stolterfoht:
02. Oskar Pastior : Tacho Eschnapur // Skeleton CrewLearn to Talk [Learn to Talk, 1984]
05. Thomas Kling : Bildprogramme // Pere UbuHumor Me [390 Degrees Of Simulated Stereo, 1981]
06. Oswald Egger : Neumen, Unwelt, Korollar // Cpt. Beefheart /G. LucasFlavour Bud Living [Doc at the Radar Station, 1980]

      Heiko Strunk:
03. Geert Buelens : Aan het raam van Van Dyke.. // Van Dyke ParksThe All Golden [Song Cycle, 1967]
08. Caroline Bergvall : Untitled // Roberta Flack Compared to What [First Take, 1969]
10. Frank Baez : Heute Nacht träumte ich, ich wäre ein DJ

 

Call for Poems/Prose Poems on Resistance and Displacement

Posted in Uncategorized by lyrikline on 5. August 2019

Mānoa Journal of International Poetry (published by University of Hawaii Press) is looking for good and unique poems/prose poems in English or English translation on the theme of Tyranny (against any form of Tyranny) and the theme of Displacement (exile, self-exile, forced migration, refugee, etc.)
Please send your poems (previously unpublished in the USA) to Frank Stewart, editor of Mānoa, fstewart@hawaii.edu or to Ming Di, guest editor of these two issues, mindy20192019@gmail.com
by August 20, 2019
The two anthologies will be published in Dec 2019 and Spring 2020.

https://manoa.hawaii.edu/manoajournal/
https://manoa.hawaii.edu/manoajournal/2019
https://muse.jhu.edu/issue/40291

Jorge Kanese – vorgestellt von seinem Übersetzer Léonce W. Lupette

Posted in Autoren / poets, Jorge Kanese, Léonce W. Lupette, translator / Übersetzer by lyrikline on 31. December 2018

Mit der einfachen Meldung, dass man die Gedichte von Jorge Kanese, Dichter aus Paraguay, jetzt auf Lyrikline hören und lesen kann, schien es uns nicht getan. Zu vielschichtig ist dieses Werk, zu komplex auch die Leistung seines deutschen Übersetzers Léonce W. Lupette. Wir freuen uns deshalb sehr, dass Léonce bereit war, uns eine Einführung zu Jorge Kanese, dessen Hintergrund und zu seinen Gedichten sowie deren sprachlichen Besonderheiten zu schicken. Wir bedanken uns sehr herzlich dafür und wünschen viel Freude an der künstlerischen Meisterleistung beider Dichter!

Jorge Kanese (geb. 1947 in Asunción)

Si uno quiere algo bueno, eso cuesta, Kanese dixit: Wenn man etwas Gutes anstrebt, so muss man dafür leiden.1 Gelitten hat Kanese im Gefängnis unter Stroessners Diktatur, wo er gefoltert wurde. Sein Sprechen und Schreiben waren Grund für und sind auch Reaktion auf Inhaftierung und Folter, der Gedichtband Paloma Blanca Paloma Negra (1982) wurde vom paraguayischen Regime verboten. Wer einzig Kaneses Gedichte aus den letzten Jahren liest, diese wilden Mischungen und Mutationen des Spanischen, Portugiesischen, Guaraní und anderer Sprachen, wird vielleicht nicht ohne Weiteres die Schritte erahnen, die dieser berserkerischen, kompromisslosen, radikal-ludischen Ausdrucksweise vorausgegangen sind.

Unter seinen Gedichten aus den achtziger Jahren finden sich sowohl zarte, melancholische Stücke, aus denen persönliche und politische Verlorenheit und Isolation, äußerste Gefährdetheit und Vergänglichkeit sprechen, als auch wütende und witzige Faustschläge. Ansätze einer orthographischen Deformierung und Verwendung einzelner Wörter aus dem Guaraní bietet bereits De guau la gente no cambia von 1986. Noch geht es dabei hauptsächlich um das Provozieren, um einen Bruch sowohl mit poetischen als auch mit politischen und gesellschaftlichen Systemen und Schemata. Wut und Unverständnis über eine dekadente, selbstzerstörerische Menschheit und deren Dogmatismen werden von Band zu Band ausgeprägter, ebenso der schwarze Humor, die derbe bis hardchorevulgäre Sprache und die grotesken Bilder und Figuren, nicht selten voller Bezüge auf Philosophie- und Literaturgeschichte, das Widerrufen eines Verses im nächsten. In diesem schonungslosen Bruch mit der Erwartungshaltung einer von jahrzehntelanger, kulturfeindlicher Diktatur geprägten und international isolierten Gesellschaft steckt dennoch etwas Utopisches. Denn was diese Gedichte angreifen, wird mitnichten einem nihilistischen Zerstörungspessimismus preisgegeben; so einfach macht Kanese es sich und seiner Leserschaft nicht. Das Wesen vor allem seiner jüngeren Texte ist radikal lebensbejahend – sie strotzen vor Lust an der Sprache, am Denken, am Dissens.

Gegen Ignoranz, Isolation, Nationalismen, Reinheitsphantasmen und fragwürdige Kanonisierungen behaupten Kaneses Gedichte ein Anderes, indem sie zunächst das scheinbar Naheliegende aufnehmen: die im Triple-Frontera-Raum alltägliche Mischung aus Portugiesisch, Spanisch und Guaraní. An der Grenze zwischen Paraguay und Brasilien wird Portuñol gesprochen, auf den Straßen Asuncións Jopará – eine nicht festschreibbare und von Sprachpuristen verachtete Mischung aus Spanisch und Guaraní. Diese Sprachsituation greift Kanese – eigentlich Canese, aber je nach Buch auch Kanexe oder Xanexe – auf, entwickelt sie weiter, erfindet ein unverkennbares eigenes Sprechen und Schreiben, in das auch italienische Grapheme oder englische Ausdrücke Einzug halten, ebenso wie Worte, die nach Guaraní oder Spanisch oder Portugiesisch klingen bzw. aussehen, die jedoch keiner standardisierten Sprache zuzuordnen sind. Silben und Laute werden gekappt, verdoppelt, verdreht und gedehnt, die Texte werden einerseits in ihrer Verfremdung unzugänglicher; andererseits ist (zumindest den Bewohnern der Triple Frontera) die sprachliche Geste der Mischung aus dem Alltag bekannt, und das Wesen dieser Sprachdeformierung ermöglicht Leserin und Leser außerdem zahllose Assoziationen, ja zwingt geradezu zum wilden Assoziieren, dazu, die Texte lesend in alle möglichen und unmöglichen Richtungen weiterzuspinnen.

In dieser genuin argobrasiguayischen Sprachsituation liegt aber auch das Problem für den deutschsprachigen Übersetzer. Spanisch und Portugiesisch lassen sich gut mischen, weil sie einander so ähnlich sind, und Guaraní und Spanisch haben eine lange gegenseitige Verpfropfungs- und Befruchtungsgeschichte, obwohl es höchst unterschiedliche Sprachen sind. Welche ähnliche Sprache grenzt auch geographisch ans Deutsche? Das Flämische? Oder doch besser das weiter entfernte britische Englisch? Und welche grundverschiedene Sprache gibt es, die in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums gesprochen und auf der Straße gar noch gemischt wird? Denn darin bestehen die wichtigen strukturellen, geographischen und historischen Zusammenhänge, die es mitzuübersetzen gilt. Daher die Entscheidung für das Türkische in der Übersetzung: Es ist omnipräsent, in vielen deutschen Städten gibt es Viertel und Geschäfte, deren Schilder, Werbeplakate, Aushänge etc., die zumindest bilingual sind, und auf den Straßen und im Nahverkehr verwenden längst nicht mehr nur noch die türkisch-migrantischen Jugendlichen anatolische Vokabeln. Dieses sehr gestische und kreative Kauderwelsch ist, in vielen Fällen, ebenfalls eine Sprache Ausgegrenzter und Verdrängter, denen keine leicht zu benennende Identität eignet. Darin scheint eine adäquate Analogie zum Jopará zu liegen, vor allem was den performativen Aspekt betrifft, der ja auch Kaneses Gedichte auszeichnet. Das Türkische eignet sich zudem nicht zuletzt auch deshalb, weil es viele Phoneme mit dem Deutschen teilt, sie aber graphisch anders ausdrückt, beide Sprachen zugleich Phoneme und Grapheme kennen, die der anderen jeweils fremd sind – ein Verhältnis, das auch zwischen den von Kanese verwendeten Sprachen besteht und das für seine Schreibpraktiken grundlegend ist.

Zum Weiterlesen: Jorge Kanese: Die Freuden der Hölle, hrsg. u. Übersetzt v. L. Lupette, Wiesbaden: Luxbooks, 2014.

Léonce Lupette, Dezember 2018

1 So Kanese in einem Video bei einem Besuch auf just dem Gelände, auf dem er inhaftiert war und gefoltert wurde. Siehe Webseite zur Aufarbeitung des Stronismo: http://www.meves.org.py/

Lupette © Emilia Quipildor Albornoz_big

Léonce W. Lupette (geb. 1986 in Göttingen)

Zum Weiterlesen empfehlen wir
auch die Gedichte von Léonce W. Lupette.
Eine Auswahl findet man auf Lyrikline.
Seit kurzem sind sie dort auch in tschechischer und spanischer Übersetzung verfügbar.

World Poetry Day and an Open Call from Belgium

To celebrate World Poetry Day on March 21, Lyrikline publishes six fine new poets from around the world between March 19-21 (find all their names below).

Laurence Vielle, photo © Isaora Sanna

Laurence Vielle

One of them is Wallonian poet Laurence Vielle, the first poet contributed by our new Wallonian network partner L’Arbre de Diane.

Laurence was the Belgian National Poet until Els Moors took over in January of 2018. Now Els Moors has started an open call in connection with World Poetry Day:

Adopt your city with a poem

On the 21st of March, World Poetry Day, the National Poet of Belgium, Els Moors, invites all people worldwide to gather their most beautiful odes and elegies on their cities (/ countries / states / …) and make them public. In times of gentrification, mass tourism and worldwide migration we are craving for lonely flâneurs and notorious wanderers who want to lay bare the mysterious heart of their cities. Are you still in love with the city you were born in? Were you pushed on by love, or obliged to leave your hearth and home? Adopt your city by writing an urban elegy and take part in the writing of the most exotic Lonely Planet at this time: The adopted cities.

Would you like to contribute to this special worldwide anthology, and motivate others to join?
Then join this action in a few steps:
1. Publish your own poem on our page starting the 21st of March 2018: www.adoptedcities.be
2. Post your poem on all your possible (social) media and encourage fellow citizens to adopt a city with a poem and to join the action. Everybody can share their city-poem on our website. On Facebook, please use #adoptedcities so we can follow and share your posts.
3. Enjoy an easily accessible and interactive online anthology, a playful way to motivate people to read and write poetry! 

Els Moors, private photo

Els Moors

Read the poems of Els Moors, “Dichter des Vaderlands” of Belgium here. Read the city poem of her predecessor and ambassador Laurence Vielle here.
We would – very much – like people from all over the world to take just a minute to think about poetry (and all its modern interpretations) and to write even a short piece of poetry. Let’s make a tribute to poetry and to our world together!

We hope that many people out there follow Els Moors’ call to post poems. We’d also like to invite you to discover the other new voices that we published on the occasion of this year’s World Poetry Day, next to Laurence Vielle:
M. NourbeSe Philip (Tobago/Canada)
Sukrita Paul Kumar
(India)
Benjamín Chávez (Bolivia)
Ketty Nivyabandi (Burundi/Canada) and
Yoko Tawada (Japan/Germany).

Happy World Poetry Day!